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Eröffnung der Freiluftschwimmsaison

Steinsee

Steinsee

Am Freitag abend traf sich die Wasserwacht-Gang des Steinsees bei Moosach zur Wacheröffnungsfeier. Damit wurde die Freibad-Saison eröffnet. Die ersten gingen direkt im See baden. Die Bojen werden nun ins Wasser gesetzt und die Hütte wieder wachtauglich hergerichtet. Das ganze wurde mit Grillgut und mitgebrachten Salaten gefeiert. Die neuen Rettungsschwimmer bekamen eine Jahreskarte für den See, die Kinder, die an den Kreisjugendspielen teilgenommen hatten, ihre Urkunden. Ausserdem lagen die Dienstpläne aus, sodass sich jeder für einen Dienst eintragen konnte, sodass die Wochenenden am See gut bewacht sind.

Ich bin nach meinem Probetraining im Herbst letzten Jahres dabeigeblieben, bin Mitglied bei der Wasserwacht geworden und habe in den letzten Monaten, so es mir möglich war, jeden Samstag mittrainiert. Das hat mir unglaublich Spaß gemacht. In den letzten Wochen wurden die Rettungsschwimmer-Abzeichen abgenommen. Ich habe mich am Silber-Abzeichen versucht und alle Übungen innerhalb des vorgegebenen Zeitrahmens geschafft. Jetzt fehlt mir noch der Erste-Hilfe-Kurs. Die Hallen-Trainings-Saison ist nun vorbei. Ab jetzt treffen wir uns zum Dienst und gelegentlichem Training am See. Ich freue mich!

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Eiskalt nominiert

Wir sind die Schönwetterfluss- und Indoorschwimmerinnen, aber das geht auch ganz anders: Bei den Polar Bear Plunges am Neujahrstag wagten sich in den USA und Kanada viele, viele Unerschrockene in die Seen, Flüsse und das Meer. Gibt’s in Deutschland natürlich ebenso und läuft hierzulande unter Eisschwimmen oder Winterschwimmen – für die „komplett Durchgeknallten“ sind da durchaus 1.000 Meter bei den Ice Swimming German Open möglich, wie Martin Tschepe im Swim-Magazin berichtet …   Wir sind da sommeraffiner und arbeiten zunächst am ersten Freistilstaffel-Team für die kollektive Teilnahme beim Elbe-Schwimmen im August 2015 in Dresden. In wärmeren Fließgewässern.

Tädä! Plötzlich und unerwartet erreichte uns gestern Abend die Nachricht, dass wir mit unserem kleinen Schwimmblog dennoch eiskalt nominiert wurden und zwar für die goldenen blogger 2014 in der Kategorie Bestes Sportblog. Wir nehmen gespannt und konzentriert unseren Platz auf dem Startblock ein und danken in perfekter Kopfsprunghaltung schon einmal für die Nominierung!

Sollte Ihnen da draußen auf den Tribünen oder in den angeschlossenen Becken und Seen die Freistilstaffel gut gefallen, dann stimmen Sie für uns ab. Denn die Goldmedaille, die würden wir uns doch zu gern am morgigen Montag, nach dem Online-Voting ab 20.15 Uhr von den geschätzten BlogkollegInnen Daniel Fiene, Franziska Bluhm und Thomas Knüwer umhängen lassen. Lassen Sie sich das Durchklicken durch alle anderen nominierten Blogs in den unterschiedlichsten Kategorien von Bester Newcomer des Jahres über den Besten Blogger ohne Blog zu Sterbefall 2014  nicht entgehen – es gibt aus dem Blogjahr 2014 wieder einiges Interessantes zu entdecken.

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Im Meer

IschiaWir fahren ans Meer. „Wir“, das ist eine sechsköpfige Gruppe von Yogaurlaubern. Genau genommen sind es nur vier Yogaurlauber, die anderen beiden sind der Yogalehrer und seine Frau und noch genauer genommen bin ich natürlich keine Yogaurlauberin, sondern nur zufällig da reingeraten. Eine Freundin lud mich spontan ein, für ihre abgesprungene Begleitung einzuspringen; die Reise sei schliesslich gebucht und bezahlt und ich solle jetzt mal meinen verdammten Schreibtisch stehen lassen und mich ins Flugzeug setzen. Das täte mir mehr als gut, ich sei schon ganz wunderlich, ausserdem gäbe es dort Yoga und heisse Quellen, das wäre ja schliesslich auch was für meinen kaputten Rücken.

So sitze ich seit ein paar Tagen auf Ischia und mache zweimal täglich Yoga, beäuge misstrauisch kackbraune, dampfende Tümpel („Das ist das Eisen im Wasser, das ist gut für die Gelenke!“ – „Weil die noch nicht rostig genug sind?“), in die sich die anderen wohlig seufzend gleiten lassen und blicke sehnsüchtig aufs glitzernde Meer hinaus.

Ich bade nicht in Seen oder Tümpeln; stehendes Wasser ist mir unheimlich und zuwider, und ich gehe auch nicht gern in das, was meine Omi so schön „die städtische Badeanstalt“ nennt. In überchlortem Wasser voller Leute zu baden, mit denen ich, wenn’s nach mir ginge, nicht einmal zusammen U-Bahn fahren würde, geschweige denn das Wasser teilen? Nein, danke. Das Meer und ich aber, wir zwei mögen uns. Wir sind füreinander geschaffen. Viele meiner schönsten Stunden habe ich am, auf dem oder im Meer verbracht. Als Kind, wenn ich nicht rauskommen wollte, nur noch eine Welle, bitte, ja? Noch diese! Oh, da kommt noch eine! Oder als ich spontan nach Hawaii flog, um Wellenreiten zu lernen, auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Und jedes mögliche Wochenende, das ich mir freischaufele und auf „meine“ Insel fahre, wo ich auch in der Hochsaison die Ecken kenne, in denen das Meer und ich alleine sind und uns gegenseitig unsere Geheimnisse erzählen.

Das Meer hier ist sehr warm, das Wasser fühlt sich seltsam weich an und es kommt mir so vor, als sei der Salzgehalt besonders hoch. Jedenfalls ploppe ich beim Eintauchen schneller wieder hoch als in der Nordsee. Ich habe den Eindruck, als begrüsste es mich, als lächelte es mir zu und sagte ‚schön, dich wiederzusehen!‘. Im Geiste unterhalte ich mich mit dem Meer. ‚Aber ich war doch noch nie hier?‘ frage ich zurück. ‚Das macht nichts‘ antwortet es leise glucksend, ‚wir sind eins. Egal, wo du deinen Zeh hineintauchst, ob ins Mittelmeer, den Atlantik, den Pazifik oder die Nordsee – ich werde dich immer wiedererkennen, denn wir gehören einander.‘

Es hat keine Quallen hier, vielleicht auch nur nicht zu dieser Jahreszeit Anfang Oktober, ich weiss es nicht. Es schwimmt kein Müll darin, der Strand ist so sauber, daß man vom Fussboden essen könnte. Dabei ist mir schon klar, daß die Sauberkeit sehr relativ ist und der garantiert vorhandene Dreck nur unsichtbar: Was täglich dieselgetrieben durchs thyrrhenische Meer dampft, geht auf keine Kuhhaut.

Ich mache ein paar Züge hinaus, weg vom Strand. Vor mir liegt nur der Horizont. Ich finde das schön, sehr beruhigend und befreiend. Es gibt auch Menschen, denen macht das Angst, diese grosse Weite, diese Leere vor ihnen und das Wissen, daß es unter ihnen rund dreieinhalb Kilometer Wasser gibt und das auch noch im Vulkangebiet, über tektonischen Erdplatten, die ständig in Bewegung sind. Wenn man zu lange darüber nachdenkt, kann man in Panik geraten – diese Platzangst ist das Gegenstück zu (meiner) Klaustrophobie.

Meine Gedanken schweifen zu den Kulturen, die sich in diesem Meer schon Schlachten geliefert haben, die Etrusker, Römer, Griechen, Sarazenen, Piraten aller Nationen, Normannen, Franzosen, Habsburger. Wie viele Wracks dieser Schlachten wohl unter mir dahinschwinden und längst zerfressen wurden? Ob noch viele Goldschätze dort unten ungehoben sind und auf ihre Entdeckung warten?

Ich muss aufpassen, nicht zu weit hinauszuschwimmen, denn man verschätzt sich sehr schnell in der Entfernung, wenn man auf dem Meer schwimmt. Die Küste rückt rasch in die Ferne und unter mir wird es dunkler und kälter. Zeit, umzukehren. Nach meiner Zählung bin ich etwas über 500 Züge rausgeschwommen, keine Ahnung, was das in Metern macht. Mein Fuelband, das ich scherzhaft als den grossen Motivator bezeichne und das mich dazu bringen soll, den Allerwertesten regelmässig aus dem Schreibtischsessel zu kriegen, es ist nicht wasserfest. Es wird mir heute Abend murrend mitteilen, daß ich mich wieder einen Tag lang nicht bewegt habe, denn es kann nur Schritte zählen.

Ich drehe mich auf den Rücken und schwimme zurück zum Strand, den Blick weiterhin auf den endlosen Horizont gerichtet. Um mich herum wird es wieder heller, das Wasser wird wieder wärmer und ich höre zwei kleine Schweizer Jungs spielen. Ich drehe mich um. Sie haben Taucherbrillen auf und liegen in „toter Mann“-Position auf den Wellen. „Ein Fisch!“ ruft der kleinere. „Das war nur ein Stein!“ antwortet der andere. Sehr viel später, als ich schon längst wieder auf meinem Handtuch liege, sausen sie an mir vorbei zu ihren Grosseltern, daß der Sand nur so spritzt. „Schau mal, Oma, ein Stein wie ein Fisch! Und ich hab’ ihn gefangen!“

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Der Steinsee

steinsee

abend_steinsee

Nach 8 h Bahnreise kam ich neulich nach Hause mit dem dringenden Bedürfnis, nochmal meine Muskeln zu gebrauchen und mich etwas zu erfrischen. Es war wieder richtig warm geworden, so beschloss ich, schwimmend Abschied vom Sommer zu nehmen. Im Steinsee.
Der Steinsee wird auf der Website des zugehörigen Restaurants als einer der wärmsten Badeseen Bayerns beworben. Er zählt als Geheimtipp für Ausflügler, vorallem Radfahrer. Er liegt in Moosach, östlich von München im Landkreis Ebersberg.

Familienbad
Von der einen Seite erhält man Zugang zum Familienbad. Der Eintritt kostet für Erwachsene 4 Euro, für Kinder ab 6 Jahren 2 Euro. Glaubt man der Beschreibung auf der Website, gibt es eine tolle Strandbar und einen zugehörigen Biergarten. Diese Seite des Steinsees habe ich noch nicht kennengelernt, aber nichts Negatives gehört.

Badestelle
Auf der anderen Seite des Familienbades befindet sich eine frei zugängliche Badestelle. Man erreicht sie, indem man am Reiterhof vorbei ca 800 m einem schmalen Weg durch die angrenzenden Felder folgt. Das sind die beiden einzigen zugänglichen Stellen zum See, der Rest ist Uferschutzzone, die nicht betreten werden darf. Die Badestelle ist sauber, der Zugang zum Wasser flach und gut begehbar. Es gibt einen Steg und genügend Bäume.

Abendschwimmen
Ich nutze meist die Abendstunden zum Schwimmen im Steinsee. Abends treffen sich je nach Uhrzeit und Wochentag entweder Gruppen von jungen Menschen, die noch beisammen sitzen wollen, Radfahrer, die eine Abkühlung suchen oder Spaziergänger, die gezielt zum See laufen. Abends hüpft man auch schnell mal nackt ins Wasser uns dreht seine Runden durch das weiche, sonnenwarme Wasser. Und so war es neulich. Es waren doch noch recht viele Menschen unterwegs, aber alle sind bemüht, sich gegenseitig nicht zu stören. Im See gibt es mehrere Rettungsbojen zum Festhalten und Ausruhen, sodass man von einer Boje zur anderen den ganzen See durchschwimmen könnte. Ich genoss es sehr, meine Bahnen durch das kühle und stellenweise warme Wasser zu ziehen. Vor mit der Sonnenuntergang und hinter mir der aufgehende honiggelbe Vollmond. Über mir jagten Fledermäuse, unter mir schwammen Fische, die ab und zu an die Wasseroberfläche kamen und Blasen hinterliessen. So ein wunderbares Naturschauspiel, und ich mittendrin.

 

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Hamburger Badetipps

Baden gehen ©2014 Kiki Thaerigen, hamburguntersich.de

Der eine oder die andere wird meinen Hamburger Comic vielleicht kennen und sich jetzt wundern, aber es hat alles seine Richtigkeit: Liisa hat mich netterweise eingeladen, mitzumachen und diesen Beitrag mit den besten Badetipps für Hamburg hier zweitzuveröffentlichen. Ich fühle mich geehrt und werde gern hier auch bald noch etwas zum Schwimmen selbst schreiben, denn damit habe ich nach langer Zeit in diesem Sommer erneut begonnen. Ja, in Hamburg.

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Das Dunkle unter dir

Vom Versuch, in einem unbekannten See zu schwimmen

Der Mann und ich fahren gerade durch Polen und wenn wir in der Nähe eines Sees sind, wollen wir dort natürlich schwimmen. In unbekannten Gewässern ist das immer ein bißchen eine heikle Sache, vor allem wenn sich die Anwohner traditionell nur per Angelkahn ins Tiefe begeben. Aber es läßt sich schon von brandenburgischem Eiszeitsee auf großpolnischen Eiszeitsee schließen. Da gibt es weder Krokodile, noch schlimme Strömungen, höchstens unangenehm am Bauch kitzelnde Wasserpflanzen.
Zum Beispiel in diesem See waren wir unterwegs, er hatte sumpfig-bräunliches Wasser und es war angenehm, hineinzugehen, keine Wurzeln, kein Müll, keine Steine. Weiter draußen wurde das Wasser klarer und wir mußten nur auf die Segler aufpassen, denn in Polen ist man keine Schwimmer gewöhnt, die sich weit hinauswagen. Hier sitzt man eher auf hochsitzähnlichen Gebilden ein paar dutzend Meter vom Ufer entfernt, die man mit dem Boot anfährt, und angelt. Wir schwammen eine gute Strecke, ich war allerdings vorsichtig, weil ein Gewitter am Horizont rumpelte
Dieser See allerdings schaffte es, alle meine Urängste zu befeuern.
Eigentlich sieht er doch fein aus oder? Ein langer Sandstrand, ein Naherholungsgebiet dabei und Rettungsschwimmer. Wir stiegen an einer weiträumigen Steganlage ins Wasser und ich möpperte leise in mich rein, dass das Wasser außer Sumpfbräune jede Menge kleine Grünalgenbatzen enthielt. Der Mann braucht immer länger um sich akklimatisieren, ich schwimme oft schon im Flachen los, weil ich keine Lust auf Ziegelsteine und Baumwurzeln unter den Füßen habe. Beim Start glitschte etwas meinen Rücken entlang. Ein fauliger Ast. Uah! Ich quietschte das erste Mal.
Wir schwammen zügig auf den See, da trillerte uns jemand mit der Pfeife hinterher. Zwei Muskelmänner ruderten auf uns zu. Ich kannte das Spiel schon, im Strandbad Wendenschloß hatte mich auch mal ein Rettungsschwimmer zusammengefaltet, weil ich den Schwimmbereich verlassen hatte. Nur ist da eine Bundeswasserstraße mit vielen Booten, das verstehe ich noch. Die Muskelmänner waren näher gekommen, erzählten uns was auf polnisch und winkten uns in das inzwischen ziemlich weit entfernte 25×25-Meter-Stegquadrat zurück. Ich nahm mein Englisch zusammen und erklärte den Herren, dass wir Mittelstreckenschwimmer seien und immer um Seen schwimmen und das sehr gut könnten. Man entgegnete uns, dafür bräuchten wir eine Sondererlaubnis, das sei in Polen so. Der Mann meinte ok. die würden wir ihnen beim Zurückkommen zeigen und jetzt würden wir weiter schwimmen. Die Jungs drehten wieder ab und ich schwamm weiter.
Plötzlich sah ich, dass der Mann neben mir im Wasser herlief. Das war nämlich mitten auf dem See nur brusthoch. Es sei etwas schlammig, aber ok., meinte er. Ich senkte vorsichtig die Füße nach unten. In der Tat, ein weicher, leicht wabernder Untergrund. Ich schwamm trotzdem weiter. Was sollte ich mitten auf dem See laufen? Der Mann kam weiter aus dem Wasser, das nur noch oberschenkeltief war. Mich kitzelte etwas am Arm, dann am Bauch. Wasserpflanzen.
Mein Nackenfell sträubte sich. Ich sah mich mitten auf dem See in Wasserpflanzen und Schlick stranden wie in verirrter Wal. Keine Sicht nach unten, trotz geringer Wassertiefe, die Entfernung zum Steg, in dem wir eingestiegen waren, betrug gut 400 Meter, es war Horror. Der Mann lief weiter neben mir her und meinte plötzlich: „Oh, hier wird es tiefer, kalt und steinig!“, sackte etwas weg und begann wieder zu schwimmen. Dann war es vorbei mit meinem Urvertrauen zu Wasser. Ich bekam blanke Panik und wollte zurück. Mit gutem Zureden begleitete er mich zurück, ich konnte mich ja schlecht von dem Muskelmännern nach Haus rudern lassen, nachdem ich so dermaßen die große Klappe hatte. Dass ich beim Abtrocknen sah, dass mein Badeanzug und mein Körper von einer milimeterdicken Grünalgenschicht bedeckt waren, war dann das kleinste Problem.

Meine Erfahrung aus vielen Outdoor-Wasser-Kilometern: Es ist völlig irrational, wo einen die Angst in einem unbekannten Gewässer erwischt. Ob in einem flachen, eigentlich völlig harmlosen Waldteich oder in einem See im Industriegebiet, in dem man über versenkte Autowracks und Chemiefässer hinweg schwimmt.
Wasser ist nicht unser angestammtes Element, wir haben es mit der Geburt verlassen. Manchmal kehren wir mit Hilfe von sportlichen Techniken zurück, aber unsere Sinne sind dafür nicht ausgerichtet und so projizieren wir alles mögliche auf das, was wir unter uns nicht sehen. Im dunklen Wasser sehen wir das Dunkle in uns.

Meine Faustregeln (incl. wohlmeinenden Gemeinplätzen):

1. Schwimmen hier auch andere? Was allerdings in Ländern, in denen Schwimmen nicht zur Kultur gehört, keine Informationen bringt. Im Zweifelsfall fragen, ob das Schwimmen erlaubt ist.
2. Von bekannten Gewässern lassen sich recht gut Schlüsse ziehen. Ein See in einem Urstromtal, eine alte Kiesgrube, ein gefluteter Steinbruch oder Tagebau, ein Gebirgssee oder ein durch Wiesen mäandernder Fluss sind meist gleich aufgebaut.
3. Wie klar ist das Wasser? Hat es Ölflecken und Schaum? Riecht es komisch? Langsam fließende Gewässer, die aus Sümpfen gespeist werden, sind meist klar, aber dunkelbraun wie Eichenrindetee. Ebenso wie Sedimente, feiner Sand und Lehm, die einen Fluß gelb oder braun färben, harmlos sind. Ich habe auch kein Problem mit einer moderaten Menge Grünalgen im Hochsommer. Aber alles, was schäumt und nach Chemie oder Jauche riecht, sollte man meiden, logisch. Leichter Modergeruch ist ok.
4. Ist viel Industrie, Landwirtschaft (Viehställe), Urbanisation drumherum? Das ist nicht gut, besonders nach starken Regenfällen, die Kläranlagen überlaufen lassen und jede Menge Dreck ins Wasser schwemmen, genauso wie in manchen Ländern nicht vorhandene Kläranlagen. Auch viel Wassergeflügel kann Probleme in Form von juckenden Pusteln bringen, deren Parasiten probieren gern auch Menschen.
5. Welche Zu- und Abflüsse gibt es? Gibt es Staustufen oder Wehre? Gibt es Schifffahrtstrassen? Sind starke Strömungen zu sehen? Nie an Wehre oder Abflüsse heran schwimmen, keine Schifffahrtstrassen kreuzen, Strömungen in die Route einkalkulieren, nie dagegen gehen, um ein Ziel zu erreichen.
6. Bei Baggerseen, Talsperren und überfluteten Tagebauen daran denken, dass unter dem Wasserspiegel Hügel, Bauten und Bäume sein können und steile Ufer ggf. nicht rutschfest sind.
Ebenso technische Bauten, Kais, Steganlagen und Landungsbrücken besser meiden. In deren Nähe herrschen manchmal sonderbare Strömungen und beim Bau ist so mancher Müll im Wasser entsorgt worden
7. Nie, nie! einfach ins Wasser springen. Vorsichtig ins Wasser hineinlaufen, am besten Schwimmschuhe dabei tragen.
8. Wenn einem das Wasser nicht so sympathisch ist, auch und gerade wenn sich viele andere darin tummeln: Kein Wasser schlucken, nicht tauchen. Hinterher gleich duschen und gut abseifen.
9. Wenn man zu einer längeren Tour aufbricht, einen Zettel gut sichtbar in die Sachen legen, auf dem steht, dass man zu einer Schwimmtour unterwegs und wann man ungefähr zurück ist und anderen am Ufer liegenden Menschen Bescheid geben. Sonst wird man womöglich noch gesucht und „gerettet“.
10. Wenn einem plötzlich flau wird, weil der Untergrund sonderbar scheint- wenn die Kraft reicht bzw. die Strömung es ermöglicht, denselben Weg zurück nehmen oder aber den schnellsten Weg ans Ufer – aber da können durchaus Überraschungen lauern.

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Mit Delfinen schwimmen

Ich hatte es nicht so mit Pferden. Ich war ein Delfinmädchen und wollte Meeresbiologin werden (und Pilotin, Schauspielerin, Opernsängerin, Hotelmanagerin, Pfarrerin, Bundeskanzlerin und vieles mehr). Ich stellte mir vor, dass Meeresbiologinnen jeden Tag mit Flipper und seinen Freunden schwimmen und dabei bahnbrechende Forschungsergebnisse über das soziale Miteinander der Tümmler herauszufinden.

Mit den Jahren erweiterte sich mein Meeressäugerinteresse bis hin zu Walfischen. Dies manifestierte sich unter anderem im Kauf einer Walgesangs-CD im Greenpeace-Fanshop, die ich aber nie vollständig gehört habe.

Da ich lange Jahre Delfinshows verweigerte, ergab sich allerdings erst in meinem 17. Lebensjahr die Gelegenheit, echte Delfine aus nächster Nähe zu sehen.

Mit einer Gruppe methodistischer Jugendlicher – ich besuchte diese Kirche, weil der Vater einer amerikanischen Schulfreundin dort Pastor war und es sich um eine relativ liberale Kirche handelte – reiste ich eine Woche nach dem Springbreak nach Panama City Beach. Dort ist es heiß, staubig und wenig schön. Aber das war egal, denn ich wusste, am dritten Tag würden wir im Meer mit wilden Delfinen schwimmen gehen.

Ich malte mir aus, wie zwei Delfine jeweils mit ihrer Nase unter eine meiner Fußsohlen schwimmen, mich aus dem Wasser drücken und ich mit ihrer Hilfe über den Meeresspiegel rausche. Mir war klar, das brauchte sicher mehr Zeit als eine 30-minütige Schnorcheltour. Aber ich war mir sicher, die wilden Delfine würden neugierig und zutraulich auf uns zukommen, sich streicheln lassen und allerlei Schabernack mit uns treiben.

Mit einem Boot fuhren wir an eine Stelle nah der Küste. Das Meer war kristallklar, warm und auf dem Grund konnte man den weißen Sand sehen. Wir nahmen unsere Schnorchel und sprangen ins Wasser.

Es gab tatsächlich sehr viele Delfine an dieser Stelle. Gleichzeitig kamen auf jeden Delfin etwa zwei Motorboote mit wesentlich besser vorbereiteten Menschen als wir.

Während wir uns einzig auf den angeblichen Spieltrieb der Delfine und die Anziehung unsere jugendlichen Begeisterung verließen, hatten die anderen Touristen Fisch mitgebracht.

Delfine sind sehr kluge Tiere. Sie haben keine Lust, mit Jugendlichen zu schwimmen und zutrauliche Idioten zu spielen. Sie wollen ihre Ruhe, unter sich bleiben und ab und an einen guten Happen Fisch.

Ich änderte meine Strategie und lauerte den Delfinen in der Nähe der Boote mit Fischbelohnungen auf. So schwammen tatsächlich zwei Tiere ganz dicht an mir vorbei. Bis heute bilde ich mir ein, dabei einen der Delfine kurz berührt zu haben.

Schlussendlich beendete dieses ernüchternde Treffen von zwei Spezien im Wasser mein Meeresforschervorhaben. Auch in Anbetracht meiner Angst davor, tief zu tauchen, sicher eine kluge Entscheidung.

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3000 Meter Sonnenbaden

Seit einigen Jahren nutze ich sommers die Münchner Freibäder für meine Schwimmerei. Das müsste ich nicht, denn die Hallenbäder sind in dieser reichen Stadt auch in den Sommermonaten geöffnet. Doch seit ich entdeckt habe, dass es in München nicht nur erstaunlich viele Freibäder gibt, sondern darin erstaunlich viele 50-Meter-Becken und darin wiederum einige abgeteilte Schwimmbahnen, ignoriere ich das sonst so geschätzte Olympiabad zwischen Mai und September.

Doch da mag ich noch so sehr Abitur haben und Mag.art. sein: Dass man sich bei Sonnenschein fürs Schwimmen im Freien besser mal mit hochfaktorischer Sonnencreme schützen sollte, musste ich erst durch einen schmerzhaften Sonnenbrand vor zwei Jahren lernen. Der mir gleichzeitig die Ganzkörperanzüge anderer Freibadschwimmerinnen erklärte.

Seither lasse ich mir den Rücken daheim ordentlich eincremen und hole mir über die Sommerwochen beim Schwimmen sanft weiße Streifen. Und zwar seit diesem Jahr vom Bikini, jawohl. Ein Oberteil mit Bügeln und Nackenhalter verrutscht nämlich auch beim Kraulen nicht, und die Bikinihose habe ich mir im Winter von der Änderungsschneiderin eng genug machen lassen, dass ich sie auch beim energischen Schwimmen nicht verliere.

Nach dem zweiten Sonnenschwimmen im Schyrenbad bemerkte ich allerdings verwundert, dass sich der Bikini auch auf meiner Vorderseite abzeichnete, die ich gar nicht in die Sonne gehalten hatte. Beim nächsten Schwumm achtete ich auf die Ursache: Der Boden des Schwimmbeckens im Schyrenbad besteht aus Metall und reflektiert lustig flackernd die Sonnenstrahlen – allerdings wohl so stark gefiltert, dass sie mich auch ohne Sonnenmilch nicht verbrennen. Sonnenbaden in Bahnen, sehr großartig.

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Elbeschwimmen 2014 – Die Miz Kitty-Version

Wiedereinstieg

In Jahren mit besserem Trainingszustand, weil die Dame-Wasserstraße direkt vor dem Wohnzimmerfenster zum morgendlichen Schwimmen einlud und ich irgendwann vor Kondition nicht mehr wusste wohin, war ich bereits auf einigen Mittelstrecken-Schwimmen. Ich schwamm auf dem Müggelsee und auf dem Greifswalder Bodden und einmal auch so ganz für mich rund um den Stechlinsee. Forrest Gump lief, ich schwamm.
Dann war eine ganze Weile gesundheitsbedingte Zwangspause angesagt und ich traute mich nicht mehr so recht. Anmeldung, Startgeld, Wettbewerb, irgendwo hinfahren und dann womöglich doch an der Kondition zweifeln und nicht mitmachen oder – noch schlimmer – von der DLRG aus dem Wasser gezogen werden, das wollte ich mir nicht antun.
Nun gibt es aber in meinem Leben einen Mann, der mitschwimmt. Zum ersten Mal. Früher war ich mit meinem Hobby immer sehr allein, nun nicht mehr. Und so ereignete es sich, dass wir nach Dresden zum Elbeschwimmen fuhren. Ich war gern mit von der Partie, auch wenn ich eigentlich bis zum letzten Moment unsicher war, ob ich wirklich ins Wasser gehe, konnte ich doch an eine gute Tradition anknüpfen. Mein Großvater schwamm hier schon in den 20er Jahren. Die heutige Jugend hat als pubertäre Mutprobe S-Bahnsurfen, die jungen Rüpel aus Dresden-Leuben schwammen durch die Elbe und tauchten unter der Kette durch, die ein Dampfschlepper für einen Moment vom Flussgrund aus dem Wasser hob. Nicht ungefährlich, deshalb gab es hinterher, wenn es der Vater denn erfuhr, eine Tracht Prügel. – Das zum Kapitel „die heutige Jugend“ und „es wird immer schlimmer!“

Elbeschwimmen ist Spaß, kein Wettbewerb

Das war mir von Anfang an sympathisch. Da erobern Leute einmal im Jahr den Fluss, mit dem sie leben, der ihnen manchmal Drama und Hochwasser beschert und das Stadtbild unverwechselbar macht. Eine schöne Vereinigung mit der Natur.

Der Elbebogen bei Regen einen Tag später.

Der Elbebogen bei Regen einen Tag später.

Seit 1998 steigen die Dresdener hier in August ins Wasser und schwimmen vom Blauen Wunder bis zum Fährgarten Johannstadt. Die 3,5 km-Strecke nimmt einen weiten Flussbogen vor der Altstadt und führt an den drei Elbschlössern vorbei. Die Veranstaltung ist sehr unprätentiös und locker. Der Organisator Dr. Dietrich Ewers sammelt mit freiwilligen Helfern kurz vorher Geld zur Bezahlung der Sicherung vom Wasser her ein – das übernehmen Boote von der DLRG*, die Sachen werden einfach auf einen Transporter geworfen und in den Johannstädter Elbwiesen wieder abgeladen, die Schifffahrtsgesellschaften bekommen Bescheid, dass sie aufpassen sollen und die Wohnungsbaugesellschaft Johannstadt spendiert hinterher Bier und Bratwurst. Der Gemeinsinn trägt so etwas und das gilt sogar für die Rekordteilnehmerzahl von 1200 Menschen. Das Publikum ist volkssportgeprägt und kommt aus allen Altersklassen, die wenigen Fitnessposer gehen in den Wogen von freundlichen Waschbärbäuchen einfach unter.

Die Wasserqualität ist mittlerweile für einen großen Fluss sehr ok., die ganz üblen Industrie-Dreckschleudern sind schon seit Jahren außer Dienst gesetzt. Nur bei Hochwasser und Wolkenbrüchen ist das Wasser nicht sauber, weil es dann ungeklärt in den Fuß kommt bzw. alte Schlämme aufgewirbelt werden. Es ist braun und voller Sedimente, die Elbe trägt viel vom Riesengebirge, dem sie entspringt, mit sich. Was man noch wissen muss: Auch wenn ein großer Fluss mächtig aussieht, tief, reißend und gefährlich ist er meist noch lange nicht. Wir schwammen bei 1,10m Pegelstand (die Transportschifffahrt pausiert wegen zu geringer Wassertiefe) und moderater Strömung, da muss man sogar weit hineingehen, bis man nicht mehr stehen kann.

Flußschwimmen ist wie fliegen

Nachdem ich über die Steine der Uferbefestigung hineingestakst war und mich in bauchhohem Wasser in Schwimmlage begab, übernahm der Fluss die Regie. Schon bei Bewegungen, die einen lediglich über Wasser halten, haben Schwimmer das Tempo der Radfahrer vom Elberadweg nebenan. Als ich dann noch etwas durchzog, mich stach der Hafer, denn es fühlte sich an wie zu alten Zeiten, außerdem wollte ich aus einem engen Pulk Leute rauskommen, wurde ich richtig schnell. Die Geschwindigkeit reguliert sich außerdem dadurch, welche „Bahn“ man nimmt. Außen am Prallhang geht es schneller, innen am Gleithang schwimmt es sich gemächlicher, wird aber auch manchmal recht flach. Ich nutzte die Zeit im ersten Drittel der Strecke, um mich immer mal auf den Rücken zu drehen und zurück aufs Blaue Wunder zu sehen. Keine elegante Brücke, eher ein wunderliches, eisberghaftes Gebilde. Im zweiten Drittel, als es schnell an Weinbergen und den Schlössern vorbeiging, fühlte ich mich euphorisch, die Villenbesitzer staunten von oben die sonderbaren Wasservögel an, manchmal gelang ihnen sogar ein huldvolles Winken. Die Leute in den Schiffen, die vorbeikamen, freuten sich hingegen ein Bein ab und fotografierten, was das Zeug hält. Im letzten Drittel kam die Waldschlößchenbrücke und dann war es wichtig, ans linke Ufer zu schwimmen und das Tempo zu reduzieren, um den Ausstieg nicht zu verpassen. – Was ich hier gelernt habe: Mit dynamischen Wasser muss der Mensch kooperieren, es macht gar keinen Sinn, sich zu verausgaben, um exakt dorthin zu kommen, wo man will und wie man will, dann wird es nur gefährlich. Wenn man sich von der Strömung tragen lässt, ist es ein überwältigendes Gefühl.

Danach

Am Ufer erwartete uns ein Volksfest mit Rumtata, Hüpfburg und Zuckerwatte und die vietnamesische Community hatte den Ausstieg mit Lotusblüten und Ehrenjungfrauen dekoriert. Der Organisator und die Helfer ließen sich feiern.

Elbeschwimmen 2014

Dr. Dietrich Ewers und die Damen des vietnamesischen Begrüßungskommitees

Elbeschwimmen 2014

Ein freundlich hergerichtetes Ziel und „Ehrenjungfrauen“, die sich abkühlen

Wir duschten uns kurz ab, obwohl zumindest ich mich nicht sehr schmutzig fühlte, das ist in den Berliner Gewässern oft schlimmer, und feierten mit Bier, Bratwurst und Zuckerwatte ein wenig mit. An diesem Tag ertrug ich sogar das furchtbare Sing, mei Sachse, sing mit einem Lächeln. Ein T-Shirt bekamen wir leider nicht mehr, das hatten nur die bekommen, die schnell waren.

Der Weg zurück nach Loschwitz, wo wir logierten, war mit öffentlichen Verkehrsmitteln sehr umständlich zu erreichen. Das Elbetaxi, das am Steg lag, verlangte mit 10 € pro km einen Mondpreis (Begründung: das Anlegen wäre am Blauen Wunder so schwierig). Also liefen wir den Elberadweg zurück, ein warmer Sommerregen kühlte uns etwas ab, es war himmlisch.

*ich wurde per Kommentar freundlicherweise darauf hingewiesen, dass die freiwilligen Helfer von der Wasserwacht sind.

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Elbeschwimmen 2014 – Die Version von @graftypo

Elbeschwimmen-Dresden-01
Am letzten Sonntag nahmen Miz Kitty und ich am 17. Elbeschwimmen in Dresden teil. Etwa 200 Meter vom Blauen Wunder entfernt ging es mit 1235 anderen Schwimmbegeisterten ins Wasser, und wir ließen uns ca. 3,5 km im Elbestrom treiben. Ich sage Ihnen: einfach herrlich und nachahmenswert. Miz Kitty schreibt ebenfalls in der Freistilstaffel über dieses Ereignis, so dass Sie gleich zweimal dazu lesen können.

Die Idee
Den Plan, an einem Elbeschwimmen teilzunehmen, habe ich schon etwas länger, genau seit einem Sommersonntag 2010. Miz Kitty und ich, wir waren uns damals noch nicht begegnet. Ich nahm – eben noch in anderer Lebenssituation – oft an Volkslaufveranstaltungen teil und fuhr zudem ausgiebig Fahrrad. So auch an diesem Sonntagnachmittag. Es sollte von Torgau bis kurz vor Meissen gehen, immer an der Elbe entlang. In Strehla wollten wir per Fähre auf die andere Seite übersetzen. Diese pausierte jedoch erst einmal eine Stunde.
Ein ganzer Pulk Menschen hüpfte hier gerade ins Wasser und schwamm mit dem Strom, um nach einigen hundert Metern stromabwärts wieder auszusteigen. Es war gerade das Elbeschwimmen in Strehla. Diese gut gelaunte Ost-Mischung von jung bis alt begeisterte mich als West-Kind der 70er. Unkompliziert stiegen sie alle in den Strom, dabei auch eine ganze Reihe, die die 70 schon überschritten hatten sowie Großeltern mit ihren Enkeln. Am liebsten wäre ich mitgeschwommen.

Vier Jahre später
Die nicht schwimmaffine Fahrradbegleitug vom Elberadweg wohnt längst in München. Miz Kitty hat einen festen Platz in meinem Leben eingenommen, und vor allem hat sie mich dazu gebracht, dass ich das Schwimmen wieder entdeckte. Ab und zu schwimmen wir längere Strecken. Freilich, da war doch die Erinnerung an dieses Elbeschwimmen. Im letzten Jahr hatte ich schon einmal danach gegooglet, wo es überhaupt ein Elbeschwimmen gibt. Aber es passte terminlich nicht.
Dieses Jahr jedoch, am 3. August, das ließ sich gut mit Urlaub und Arbeit vereinbaren. Dazu noch in Dresden, der Stadt, zu der Miz Kitty familiär eine besondere Beziehung hat. Also machten wir am letzten Wochenende im Gästehaus Loschwitz Station. Diese Unterkunft ist recht zentral an der Loschwitzer Elbseite in der Nähe des Blauen Wunders gelegen und vielleicht ein Tipp, falls Sie zum nächsten Elbeschwimmen eine Budget-Herberge im Elbflorenz suchen. Ein Vorteil ist nämlich, dass Sie den Start zu Fuß vom Gästehaus erreichen können.

Los geht’s
Sonntagmorgen, kurzes Frühstück, Badehose an. Kleine Tasche mitgenommen, in der später Hemd, Hose und Flipflops verstaut werden. Wir laufen über das Blaue Wunder zum Blasewitzer Ufer. Schon von der Brücke ist der Start zu erkennen. Da ist er wieder, dieser mir von vielen Volkslaufveranstaltungen wohl vertraute Klang des Megaphons. Der Veranstalter Dr. Dietrich Ewers erklärt die Einzelheiten des Elbeschwimmens. Klar, wenn der Schaufelraddampfer kommt, zur Seite schwimmen. Sonst »gibt’s Rippchen«, sagt er. Wir begeben uns in diesen Pulk der Schwimm- und Elbebegeisterten. Dazwischen einige kostümiert, z.B. zwei als Rockmusiker im roten und grünen Ganzkörperanzug verkleidete Herren mit aufblasbarer E-Gitarre. Die Stimmung ist wie Jahre zuvor in Strehla, einem anderen, weniger mondänen Elbort. Déjà-vu. Diese, ich nenne sie mal etwas ostige Unkompliziertheit, eben so ganz ohne Charlottenburger oder Prenzl’berger Verhaltensparadigmen. Der Bauch gehört wie selbstverständlich zur Badehose und auf die neueste Bademode achtet man sonstwo. Für Selbstdarsteller und eitle Menschen, die mit ihren Körperlichkeiten kokettieren, ist es nicht das richtige Event, dieses Elbeschwimmen. Das ist sehr gut so, das mag ich sehr.

Schwimmen, treiben, Blaues Wunder, schön wie Blankenese
Nach einem Obolus in die Spardose für Helfer und Organisation geht’s ins Wasser. Steinig, jedoch mit etwas Fußspitzengefühl kein Problem. Wir lassen uns treiben und schwimmen mit dem Strom. Dazwischen immer mal wieder kurz auf dem Rücken schwimmen und den genialen Blick auf das Blaue Wunder genießen. Links die Johannstädter Elbwiesen und rechts die Albrechtsschlösser mit Weinbergen und Villen am Hang. Herrlich.
3,6 Kilometer sind es vom Start bis zum Ziel, das am Fährgarten Johannstadt ist. Freilich, man muss keine 3,6 km schwimmen können. Man kann sich im Grunde genommen im Elbestrom treiben lassen und kommt zum Ziel. Alle schwimmen natürlich trotzdem etwas. Zweimal müssen wir auf die linke Stromseite, um entgegen kommende Ausflugsschiffe passieren zu lassen, eines davon ein traditioneller Elbe-Schaufelraddampfer. Und, Sie ahnen es schon, »Rippchen« gab es nicht.

Wer zu schnell schwimmt, den bestraft der Genuss.
Das Dresdner Elbeschwimmen ist ein Volksschwimmen ganz ohne Wettkampfcharakter. Verbissene Schwimmer mit nummerierten Badekappen suchen Sie hier vergeblich. Im Gegenteil. Als Miz Kitty und ich kurzzeitig etwas schneller wurden und einige Schwimmer überholten, zogen wir eindeutige Blicke auf uns, nach dem Motto: »Wie? Ihr wollt schneller schwimmen, dann könnt Ihr Landschaft und Atmosphäre doch nicht so lange genießen!« Richtig so. Wir reduzierten und schwammen langsam im Strom mit.
Zur Wasserqualität der Elbe in Dresden kann ich nichts negatives sagen. Klar ist jedoch, dass in einem fließenden Gewässer mit recht großer Strömung, das zudem von Schiffen befahren wird, immer etwas Schwebstoffe enthalten sind. Das ist ungefährlich und ganz normal, bedingt jedoch, dass das Wasser nicht gebirgsbachklar ist.

Bratwurst, Freibier, Sonnenliege
Am Fährgarten Johannstadt stieg der Schwimmer-Strom nacheinander aus dem Wasser. Schnell waren die per LKW zum Ziel transportierten Taschen gefunden und nach einer durch die Dresdner Wasserwerke bereitgestellten Freiluft-Dusche wurde die Badehose mit Zivilkleidung getauscht. Am Ziel fand gerade das Johannstädter Elbefest der Wohnungsgenossenschaft Johannstadt statt und alle Schwimmer bekamen Bratwurst und Freibier. Miz Kitty war ganz angetan von den Damen der Vietnamesischen Community und hat einige Fotos von ihnen, zusammen mit dem Veranstalter, gemacht.

Das 18. Elbeschwimmen
kommt bestimmt. Im Sommer 2015. Mein Tipp: Hinfahren, mitschwimmen, genießen. Vielleicht treffen wir uns im nächsten Jahr?

Sterne
Fünf von fünf.

Fotos
Leider sind es nur Handy-Fotos, aber die Stimmung wird ganz gut wiedergegeben:
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Von der Brücke (Blaues Wunder) sind sie schon zu sehen, die Elbschwimmer.

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Gleich sind wir auch dabei.

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Ein Blick vom Start Richtung Blaues Wunder (später aufgenommen)

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Vorbei an Schlössern und Weinbergen lassen wir uns im Strom treiben. Ein Elbdampfer kommt vorbei. (Bilder später aufgenommen)

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Blick vom Ziel auf Frauenkirche und Altstadt

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Erst einmal Freibier und Bratwurst

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Das Beweisfoto. Wir waren da und sind angekommen.

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Auch die Rockmusiker sind angekommen und erfreuen sich am Bier

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Volksfeststimmung mit Blick auf die Frauenkriche

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und natürlich…, Twitter und Facebook darf auf der Sonnenliege nicht fehlen.