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Eiskalt nominiert

Wir sind die Schönwetterfluss- und Indoorschwimmerinnen, aber das geht auch ganz anders: Bei den Polar Bear Plunges am Neujahrstag wagten sich in den USA und Kanada viele, viele Unerschrockene in die Seen, Flüsse und das Meer. Gibt’s in Deutschland natürlich ebenso und läuft hierzulande unter Eisschwimmen oder Winterschwimmen – für die „komplett Durchgeknallten“ sind da durchaus 1.000 Meter bei den Ice Swimming German Open möglich, wie Martin Tschepe im Swim-Magazin berichtet …   Wir sind da sommeraffiner und arbeiten zunächst am ersten Freistilstaffel-Team für die kollektive Teilnahme beim Elbe-Schwimmen im August 2015 in Dresden. In wärmeren Fließgewässern.

Tädä! Plötzlich und unerwartet erreichte uns gestern Abend die Nachricht, dass wir mit unserem kleinen Schwimmblog dennoch eiskalt nominiert wurden und zwar für die goldenen blogger 2014 in der Kategorie Bestes Sportblog. Wir nehmen gespannt und konzentriert unseren Platz auf dem Startblock ein und danken in perfekter Kopfsprunghaltung schon einmal für die Nominierung!

Sollte Ihnen da draußen auf den Tribünen oder in den angeschlossenen Becken und Seen die Freistilstaffel gut gefallen, dann stimmen Sie für uns ab. Denn die Goldmedaille, die würden wir uns doch zu gern am morgigen Montag, nach dem Online-Voting ab 20.15 Uhr von den geschätzten BlogkollegInnen Daniel Fiene, Franziska Bluhm und Thomas Knüwer umhängen lassen. Lassen Sie sich das Durchklicken durch alle anderen nominierten Blogs in den unterschiedlichsten Kategorien von Bester Newcomer des Jahres über den Besten Blogger ohne Blog zu Sterbefall 2014  nicht entgehen – es gibt aus dem Blogjahr 2014 wieder einiges Interessantes zu entdecken.

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In warmen Wassern

Ich habe mich unlängst über Wassertemperaturen und das subjektive Empfinden derselben in Schwimmbädern für Schwimmer ausgelassen. Es ist aber auch nicht einfach. In meinem liebenswerten Rentner-Bootcamp (aka: Wassergymnastik-Rehasportgruppe in der ich mit meinen 49 Jahren unsere Jüngste bin) ist sie ein konstant wichtiges Thema. Alle sagen, dass es heute kalt im Becken ist, ist der Standardspruch und Wasserstandsbericht aus den Vorgängergruppen, wenn ich als unsere Jüngste und Letzte unter der Frauendusche einfalle.

Nun hat das Therapiebecken, das wir mit unserer Rheuma-Liga-Truppe nutzen, zumeist die versprochenen 32 Grad. Das ist auch ganz prima, wenn man Rheuma oder Schmerzen hat, denn dann entspannen sich die Muskeln bei den Übungen im warmen Wasser. Da ich selbst meist am Vortag in der medizinischen Muckibude trainiere, freue ich mich auch immer über den Anti-Muskelkater-Effekt, wenn ich mal wieder etwas hart geübt habe.

Gestern jedoch: große Krise! Noch nie war das Wasser so kalt! Ja, es war etwas frischer als sonst und mir persönlich damit sehr angenehm. Ich bin ja inzwischen doch sehr fit und könnte auch längst anstrengendere Aqua-Fitness in einem tiefen Kaltwasserbecken machen. Aber ich mag meine Rentnertruppe so gern und ein bisschen softes Entspannungssporteln tut mir immer gut. Außerdem bin ich dankbar und unheimlich froh – die Wassergymnastik war mit der Anfang zur Besserung meiner Meniskusprobleme. Ich erinnere mich noch genau, wie das war, als ich kaum die Treppe ins Bewegungsbad herunterkam und nicht daran zu denken war, meine Hacke beim Gehen an den Popo zu ziehen. Tempi passati; glücklicherweise, aber ich bin immer noch dankbar.

Die Ferien-Ersatz-Physiotherapeutin scheucht uns in ihrer jugendlich unbekümmerten wie energischen Art an den Poolnudeln durchs Wasser. Viel Hoppedihe, sehr gut! Meine Mitsportlerinnen sind ja muntere 59 bis 85 Jahre alt und ich freue mich, dass ich einfach eine Runde schneller rauf und runter treten oder fahrradfahren kann. Wird auch mir warm dabei.

Aber es ist so furchtbar kalt! Es hört gar nicht mehr auf mit den Klagen. Die Physiotherapeutin fängt das ab mit: Das Wasser hat genau 31,5 Grad heute. Ich finde es super, der Großteil meiner Combo zieht sich aufs theatralische Klagen zurück und Herr R. probiert es mir gegenüber auch mal mit dem Klassiker: Ich bin 82, kommen Sie erst mal in mein Alter. Dann finden Sie das auch kalt! Hey, das funktioniert wohl auch immer mit diesem Totschläger – bei meiner Oma noch im zarten Alter von 96 ihren dann doch sehrsehr erwachsenen Töchtern gegenüber vorgetragen mit dem Zusatz: … in das gewisse Alter! Also antworte ich ebenso klassisch: Ich bin immerhin schon fast 50. Da darf ich das Wasser zu warm finden, das ist auch das Alter dafür!

Ich nehme es als Scherz und freue mich über das endlich einmal mir nicht viel zu warme Wasser. Aber von hinten nähert sich unsere Zweitjüngste dem Beckenrand und legt ihre Poolnudel nach nur einer Viertelstunde nieder. Ich muss leider gehen; ich kann meine Muskeln nicht mehr bewegen. Sie hat Weichteilrheuma, ist Schmerzpatientin und bräuchte tatsächlich mindestens 33 oder 34 Grad Wassertemperatur, damit das für sie funktioniert. Ich schäme mich ein bisschen für meine Flapserei und bin sehr, sehr dankbar, dass ich mich – „nur“ verunfallt damals und nicht chronisch krank – so problemlos, inzwischen schmerzfrei und ohne auch nur darüber nachzudenken wieder bewegen kann. Egal bei welcher Temperatur.

Denn ein großes Problem in Berlin – und meines Wissens nicht nur dort – ist es, dass Bewegungsbäder in großer Zahl geschlossen wurden. Waren es vor zehn Jahren noch 70 Therapiebecken mit den benötigten Temperaturen über 30 Grad, sind es heute gerade mal noch 48, wie man hier nachlesen kann. (Das ist zwar ein etwas älterer, bezahlter Beilagen-Artikel, aber ich weiß es auch aus der Rheuma-Liga Berlin selbst, das das wirklich so ist.) Therapiebecken mit hohen Temperaturen sind nämlich teuer und die Krankenkassen rechnen nur noch Fallpauschalen ab; das lohnt sich also bei enorm gestiegenen Betriebskosten oft nicht mehr für die Betreiber.

Ich hätte gern ein bisschen mehr in unserer halben Wassergymnastikstunde geschwitzt, wenn es meiner Mitsportlerin gut getan hätte. Für mich ist es nur eine Entspannungssportstunde, für sie eigentlich dringend notwendige Erleichterung. Vielleicht nächstes Mal wieder, bei den zugesagten und eigentlich auch sonst immer vorhandenen 32 Grad. Ich werde ganz bestimmt demütig und dankbar, dafür wie gut es mir doch geht, meine große Klappe halten.

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Schwimmbadttest / Marzahn

Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Es ist Sommerferien und schon kann keiner mehr hingehen. Viele Hallenbäder sind zu oder haben komische Öffnungszeiten. Freibäder mag ich mitten in Berlin so gar nicht und an diesem Tag führen mich meine Wege ohnehin in den nördlicheren Osten, so dass ich einen Ausflug nach Marzahn mache.

Jawohl. Eine Kreuzbergerin mit Lieblingsbad SSE (Prenzlauer Berg) und ersatzweise dem schön kühlen Stadtbad Tiergarten (Grobe Verunreinigung/Moabit) nutzt die automobilen Möglichkeiten und so schunkele und staue ich mich auf der Landsberger Allee sehr stop&go gen Märkische Alle und Helene-Weigel-Platz. Dennoch: Es ist so schönes Sommerfeeling! Ich mache einen regelrechten Ausflug in den Osten. 13 Kilometer für einen Schwumm. Luxus!

Die Schwimmhalle Helmut Behrendt ist praktisch direkt hinterm S-Bahnhof Springpfuhl gelegen; man könnte also auch ohne Auto hinkommen, was aber von mir, von Kreuzberg aus, eine Weltreise wäre. Ist Ihnen übrigens in Berlin mal aufgefallen, dass die Hallenbäder im Osten alle Schwimmhalle, im Westen dagegen Stadtbad heißen? Gucken Sie mal auf die Übersicht der Berliner Bäder Betriebe, die hierzulande für beinah alle Bäder zuständig sind.

Ich bestaune also den zentralen Platz vor dem Rathaus Marzahn, nicht uneinladend, mit den üblichen Geschäften bis hin zu einem Spätabends-Kaiser’s versehen, und vor allem mit dem rostbraunen Klinkerbau des ehemaligen Rathauses Marzahn unübersehbar mittendrin. Wasndasn? Wie ich später nachlese, kein dem Abriss geweihtes 70er-Jahre-Monstrum, sondern inzwischen ein bespieltes Bürgerhaus; soso; Trash-Optik mitten auf dem wohlgestalteten, von echten Ost-Hochhäusern umstandenen Platz. Der Osten ist mir mit seiner Architektur bekanntermaßen nicht fremd, dennoch stehe ich in der Großsiedlung so alienhaft fasziniert herum. Das wäre aber in Hagen-Boele auch nicht anders. Ein kleiner Teich liegt linkerhand, Blümchen und Beete sind am Wegesrand angelegt; der Springpfuhl selbst ist auch ganz in der Nähe. Ich sehe im Hintergrund den Stern des ehemaligen Sojus-Kinos aufleuchten. Es ist halt viel Ehemaliges vor Ort …

Den Part Ausflug hätten wir damit also auch beinah vollumfänglich absolviert. Ich bitte allerdings zu entschuldigen, dass ich auf dem Weg zum Schwimmbad keine ausgewachsene Kamera dabei hatte, so dass Sie sich an dieser Stelle mit einem Link auf die Wikipedia zum Helene-Weigel-Platz zufrieden geben müssen.

Doch zurück zum eigentlichen Zweck: Schwimmen; Schwimmbadbesuch. Im Eingangsbereich der Halle eine superfreundliche Mitarbeiterin, die mir das Prinzip dieser – spezifisch östlichen? – Magnetschließarmbänder sogar an einem kleinen Extramodell zeigt und mir die Spielregeln (Wo Schuhe ausziehen? Wo ist welcher Durchgang?) aufs Netteste erläutert. Umkleiden, ein großflächiger Fön-und-Spiegelbereich entlang der rückwärtigen verglasten Längsseite und Duschen sind ebenerdig angeordnet. Es sind kurze Wege, alles ist gescheit saniert vor wohl nicht allzu langer Zeit. (Wer die Umkleiden und Wege im Spreewaldbad, treppauf-treppab und sehr länglich, kennt, der achtet auf solche Details!)

Ebenfalls ausschlaggebend für meine Wahl: ein 50-Meter-Becken – darauf steh ich ja. 28 Grad Wassertemperatur, okay. Der Temperatur schenke ich zunächst keine Beachtung, aber ich habe den Eindruck, dass es im Wasser ganz schön warm ist. Wärmer als im SSE und auf jeden Fall wärmer als in der Seydlitzstraße, wo bei 27 Grad eine für mich gefühlt optimale Temperatur im Becken herrscht. Dabei hat das SSE sogar nominell mit 26 Grad noch einen Grad weniger. Aber es kommt mir wärmer als das Stadtbad Tiergarten vor. Vielleicht liegt es ja am Alter, an der allmählich konstant nach oben orientierten Temperaturregulierung. Aber subjektiv ist mir Tiergarten am kühlsten, dann kommt das SSE und nun, in Marzahn bekomme ich nach 500 Metern das Gefühl von Warmbadetag. Was nur ein Grad ausmacht.

Aber es ist relativ leer in der Zwischen-Zeit so gegen 19 Uhr. Lange habe ich eine 50-Meter-Bahn nur für mich, da kann ich richtig abschalten, ohne ständig achtgeben zu müssen, wer mich überholt, wer mir folgt oder an wem ich vorbeiziehen muss. Herrlich! Ich groove mich nur ein bisschen ein mit zwei Runden Brust und kraule dann weiter. Da ich allein unterwegs bin, kann ich so lange im Wasser bleiben, wie es mir behagt und ich nutze das, bis ich 2.200 Meter hinter mir gelassen habe. Allerdings bin ich danach auch ordentlich platt, insbesondere, weil es mir letztlich doch zu warm ist; an einem lauen Sommerabend allemal.

Ein bisschen störend ist für mich die an- und abschwellende Musik von der Randbahn. Dort treten und paddeln die Aquafitness-Damen zu Krawummsmusik vor sich hin. Ich bin zwar entfernt davon unterwegs, aber da ich gern abschalte beim Bahnenziehen, ist mir das nichts. Voller wird es übrigens erst, als ich gegen 20 Uhr das Becken verlasse; viele junge Leute sind auf einmal im Wasser. Ist irgendwo eine Uni, ein Studentenwohnheim in der Nähe? Schüler sind es jedenfalls nicht mehr; außerdem sind gerade Sommerferien.

Beim Auschecken ist auch alles wieder sehr nett, gut nutzbar und unkompliziert. Ich fühle mich auch nicht unwohl, als ich das Bad in beginnender Dämmerung verlasse, um zum Parkplatz zu laufen. In mir unübersichtlichen Weltgegenden, die ich nicht kenne, bin ich da ja schon erst mal beim Andunkeln eher skeptisch. Aber nichts, alles okay, keine komischen Figuren. Praktisch, dass der Kaiser’s noch geöffnet ist und ich notwendige Einkäufe sogar so spät noch nebenbei erledigen kann.

Ich habe mich also wohl gefühlt, bei meinem Schwimm-Ausflug in den fernen Osten … und als ich dann noch über die Allee der Kosmonauten, die schmucklose breite Straße mit dem wohl poetischsten Namen in Berlin, zurückfahre, bin ich ein womöglich nicht besserer, aber auf jeden Fall besser trainierter und froherer Mensch.

Die Schwimmhalle Helmut Behrendt am Helene-Weigel-Platz bekommt von mir also das Prädikat Machensemal. Lohnt sich in Kombination mit einem Stadtausflug und geht vor allem mit Bad-Öffnungszeiten bis 22 Uhr werktags auch abends noch richtig gut.

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Vom Blindfischen und vom Zu-viel-Sehen

Beim heutigen sonntäglichen Schwumm in der Seydlitzstraße hab ich besonders kritisch unter Wasser geguckt. Weil: Letztes Mal hatten wir ja Grobe Verunreinigung und ich sage Ihnen, Sie möchten nicht sehen, was ich in einem Eimer und noch vor Betreten des Beckens erblicken musste und was uns das letztwöchige Schwimmen unmöglich machte.

Ich war also heute mit Controlettiblick unter Wasser unterwegs. Die Lippen wie mit Silikon versiegelt, streng auf Nasenatmung bedacht. Was mag mir da entgegentrudeln? Oder unter mir herumdümpeln? An Haarballen oder Klopapierreste bin ich seit jeher gewöhnt. Haargummis gehören ebenfalls zum Standard. Oder Steinchen.

Die Crux ist ja: Ich bin eigentlich totaler Blindfisch und ohne Brille hilflos. Aber nur an Land. Denn mit frisch antigefoggter Schwimmbrille ist die Brechung unter Wasser im Becken tadellos. Zumindest so lange, bis der erste Nebelschleier wieder gnädig aufzieht.

Immerhin muss ich nicht, wie an einem anderen Ort, an dem ich eine Weile lebte, turtelnde Paare am Beckenrand des weit und breit einzigen Hallenbades sehen. Nichts gegen Paarsamkeit, meinethalben auch im Wasser, aber bitte nicht vor meinen Augen. Ich glaube, Menschen ohne Schwimmbrille und mit dem Kopf über Wasser haben keine Ahnung davon, WIE gut man unter Wasser sehen kann! Immerhin sind die Verschlungenen deutlich angenehmer anzusehen als Treibgut, das üblicherweise in Körperöffnungen hinein oder im Körperinneren aufbewahrt gehört, welches aber laut Auskunft von Bademeistern zu den üblichen Fundstücken im Wasser zählt.

Nach dem letztwöchigen Erlebnis frage ich die Kassendame, wie das denn so gekommen sei, mit der, pardon, Kackwurst im Schwimmerbecken. Den empfindlicheren Naturen unter Ihnen rate ich nun dezidiert, den nächsten Satz lieber NICHT zu lesen: Fragen Sie mich was Leichteres. Wir finden diese Dinge fast immer im Schwimmerbecken, kaum einmal im Kleinkinderbecken nebenan.

Es ist deprimierend. Und es steht offenbar schlimm um das Hygiene- und Sozialverhalten des gemeinen Schwimmbadbesuchers, der da offenkundig mit Absicht tut, was sich nicht gehört und nicht nur den Mitschwimmern Unbill sondern auch den Badmitarbeitern viel Arbeit verursacht.

Dabei genieße ich normalerweise das Gucken sehr, denn gerade in solchen Schwimmschwimmbädern mit 50-Meter-Bahnen und kaltem Wasser finden Sie meist gut trainierte, appetitlich anzusehende Männer in den Echtschwimmerbahnen. So auch im Stadtbad Tiergarten. Seit da einige schicke Hostels rund um den Hauptbahnhof erbaut wurden, macht das Unterwassergucking noch mehr Spaß: Viele durchtrainierte Jungmänner internationaler Herkunft tummeln sich dort. Jetzt, kurz vor dem Ende der Sommerferien besonders auch braun gebrannte. Das ist schon schön anzuschauen; so ein Schwimmerkreuz im klassischen V-Look in gut sitzender Badehose, das macht echt was her. Da gerät frau ins Seufzen und das natürlich vergeblich, denn für diese sportiven Jungmänner bin ich allenfalls eine schlurfige alte Schwimm-Oma kurz vor der Prilblumen-Gedächtnis-Badekappe.

Ja, und wenn Sie sich nun fragen Wo sind denn all die sportiven Frauen, die durchs Wasser pflügen? So mindestens im Namen der Gender-Gerechtigkeit?, da kann ich Ihnen nur antworten: Ich weiß es nicht. Es ist nämlich auffällig, in etwa einer 70:30er-Relation, dass meist Männer sportiv in den Schwimmerbahnen unterwegs sind. Vielleicht liegt es ja auch an der sonntäglichen Kaffeetrinkzeit, zu der ich schwimmen gehe? Ich habe keine Ahnung.

Ich habe den Verdacht, dass es sich um ein dem Gerätetraining in der Muckibude artverwandtes Phänomen handelt. Dort wird geschwitzt, geschindert und geächzt; es ist nicht vornehm, smalltalk- und teatimekompatibel, wenn es mich fordert und etwas bringen soll. Was richtig Kraft und Anstrengung erfordert, ist nicht clean, sondern immer etwas animalisch, schwitzig und kompetitiv und sei es nur mit mir selbst. Ich habe den Eindruck, dass das nicht so viele Frauen mögen – richtig reinhauen, die eigene Kraft spüren und eher wild und ekstatisch als anmutig und gemäßigt sein.

Nun, falls Sie eine Erklärung für das Eine oder das Andere haben, lassen Sie es mich wissen. Ich habe ein Erkenntnisinteresse. In beiden Angelegenheiten.

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Wie ich zur Outdoor-Schwimmerin wurde

Badestelle am See

Vor einigen Jahren hat es mich nach Mecklenburg-Vorpommern verschlagen. Ein Wassermensch bin ich schon immer gewesen aber bis dahin doch eher in Schwimmbädern unterwegs. Schwimmbäder gibt es in Mecklenburg-Vorpommern natürlich auch. Tatsächlich sind es eher »Bade-Oasen« als klassische Schwimmbäder. D.h. relativ viele eher kleinere Becken, die sich nicht wirklich zum Bahnenziehen eignen. Schon gar nicht, wenn es etwas voller wird, was besonders in der Hauptsaison der Fall ist, wenn jedes Jahr ansteigende Touristenmassen im Land einfallen.

Alternativ gibt es hier aber Seen über Seen. Fast jedes kleine Dorf verfügt über einen mehr oder weniger großen See. Auch unser Dorf hat seinen eigenen See, der wegen seiner erhaltenen Natürlichkeit plus guten Größe plus bester Wasserqualität einen guten Ruf in der ganzen Gegend hat. 98% der Besucher bleiben allerdings in Ufernähe, so dass man als Schwimmer den Rest des Sees fast vollständig für sich hat.

Im ersten Sommer beäugte ich den See noch mit einer guten Portion Misstrauen. Ich meine, wer weiß, was da so alles rumschwimmt, in diesem See?! Fische ja schon mal auf jeden Fall, und da weiß man nicht so genau was die, wenn sie nur hungrig genug sind, mit einem anstellen! Aber auch anderes Getier tummelt sich natürlich in so einem Gewässer (z.B. schwimmende Schlangen, was ich aber zum Glück erst nach einigen Jahren sah!).

Andererseits, reizte mich das kühle Nass aber auch. Der Tag kam, an dem ich vorsichtig dann doch mal das Experiment wagte, und das war der Beginn meines Outdoor-Schwimmerinnen-Daseins. Inzwischen freu ich mich immer schon auf den Sommer, weil ich dann endlich wieder im See schwimmen kann. Hin und wieder beschleicht mich immer noch für Momente ein diffuses Unbehagen aber dann gelingt es mir, es zu verdrängen und mich lieber wieder auf die positiven Dinge zu konzentrieren. Auch andere Seen hier in der Umgebung habe ich mir inzwischen schon »erschwommen«. Was für ein herrlicher und vor allem kostenloser Luxus!

Kacheln zählen kann ich beim Schwimmen im See natürlich nicht, alternativ kann ich Bäume oder Wasservögel zählen, was auch schön ist. Bei einer See-Länge von 730 Metern und einer See-Breite von 370 Metern (Seetiefe bis zu 10 Meter) kann ich wunderbar meine Bahnen ziehen, je nach Tagesform. Bei mir fremden Seen bin ich immer noch etwas zurückhaltender, besonders, wenn sie flacher sind und es ordentlich Unterwasserpflanzen gibt. Das mag ich nämlich gar nicht, wenn da was an meinem Körper entlang streicht, und ich weiß nicht, was!

Schwimmen im See

Es ist wunderbar, wenn ich den See durchschwimme und ein oder zwei Haubentaucher begleitet mich mit etwas Sicherheitsabstand. Oder Familie Blässhuhn zieht an mir vorüber. Vater vorneweg, Mutter hinterher, evtl. ein oder zwei der Küken auf dem Rücken und dann noch zwei oder drei weitere Küken, die vorwitzig in meine Richtung paddeln, bis sie zurückgepfiffen werden. Oder auf dem Rücken schwimmend zuschauen, wie die Fisch- und Seeadler hoch über mir ihre Kreise ziehen.

Wenn ich im See schwimme, bin ich ganz bei mir. Mehr als irgendwo sonst. Ich kann loslassen, mich selbst, meine Ängste, Selbstzweifel, Ärger, Stress und was mich sonst alles gerade kopfmässig beschäftigt und das ist meist (zu) viel.
Ich liebe es, wenn es still wird in meinem Kopf und ich nur noch spüre. Meinen Körper, der durch das Wasser gleitet, das Wasser, das an meinem Körper perlt, den Wind der über meine Haut streicht.
Schwimmen im See, das ist eine Zuflucht für mich, ein Rückzugsort, an dem ich eine Pause nehmen kann von all den Eindrücken, die sonst auf mich einprasseln. Wenn ich ans Ufer zurückkehre bin ich innerlich geklärt und aufgeräumt, kann ich wieder freier atmen, bin mir selbst wieder ein ganzes Stück näher.

Die Bank am See

Ansonsten vertrete ich ja die Ansicht:
Wer Literatur (Bücher) und Schwimmen als feste und regelmäßige Bestandteile in sein Leben integriert hat, der ist auf eine sehr spezielle Weise ein glücklicher Mensch, egal was ihm das Leben sonst noch austeilen mag.

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Schöner Wassergymnastizieren

Ich hab Ihnen da was mitgebracht, spricht die Wassermitgymnastin und zieht aus ihrer kleinen Kühltasche diese Smarties-Blisterpackung hervor. Sie haben sich doch beim letzten Mal so hübsch zurechtgemacht mit Ihrem roten Lippenstift, als Sie noch weggehen wollten.

Jetzt warten Pandore, Wonderland, Aventure und Mirage auf mich. Die Überraschungen können kommen, ich wär dann mal so weit. Im Prinzip wäre mir gerade so nachAventure, aber auch gegen Wonderland hätte ich nichts einzuwenden – einmal en Français, einmal in English, bitteschön! Nur Mirage erscheint mir ein bisschen bräunlich, aber wer weiß, vielleicht entwickelt es sich im Winter, wenn ich wieder bleicher bin, zum Hit?

Überhaupt ist unsere Wassermitgymnastin Frau S. die Fürsorge in Person. In der Kühltasche steckt natürlich nicht vornehmlich die Lippenrotprobe aus dem Hause Dior, sondern vor allem eine kleine, gut gekühlte Mineralwasserflasche für unsere Physiotherapeutin. Die war lange krank, hatte sich eine Grippe eingefangen und schwächelt immer noch ein bisschen am Beckenrand herum, was bei schwülen 30 Grad Außentemperatur am noch wärmeren Therapiebecken gegen Tagesende kein Vergnügen ist. Ach, ich hab Frau M. auch letzte Woche schon Wasser mitgebracht. Da kann sie sich die Flasche zuerst an den Nacken halten zum Abkühlen und dann hat sie auch noch was Frisches zu trinken.

Auch für Strolchi, den Hund der Empfangsdame, hat Frau S. immer ein Leckerli dabei und der Arme ist ganz verstört, wenn Frau S. mal nicht da ist und versucht, uns andere anzustupsen und Naschkram zu erbeuten. Da sind wir aber alle nicht ausgestattet. Vor allem seit Frau S.’ Hund vor einigen Monaten angefahren wurde und verstarb, wird Strolchi mittwochs noch mehr bepuschelt als ohnehin …

Ich spotte ein wenig vor mich hin, dass Frau S. doch bestimmt die Kühltasche vor allem mitgebracht hat, um Strolchi frische, gut gekühlte Fleischhäppchen mitzubringen, aber das bestreitet Frau S. energisch. Ich bin mir aber sicher, dass dieser Tag auch noch kommen wird!

Sie sehen also, wir haben’s gut und machen es uns gut in unserem kleinen Rentner-Bootcamp, pardon: unserer Wassergymnastikgruppe. Ach ja, und unsere wöchentliche halbe Stunde im Becken mit dem eigentlichen Zweck der Veranstaltung, nämlich mit gepflegter Wassergymnastik in der Ausgabe Zirkeltraining, die haben wir selbstverständlich diszipliniert erledigt.

Erstveröffentlicht in ähnlicher Form, während hier noch das Wasser ins Becken eingelassen wurde, bei Frau Indica.

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Angetreten in der Freistilstaffel über 6×100 Meter Lagen sind: Frau Kaltmamsell, MizKitty, Frau Indica, Frau JournelleFrau Donnerhallen und GrafTypo. Wegen ihrer Einzelleistungen auf der 3.000-Meter-Kraul-Distanz eröffnet Kaltmamsell die länderübergreifende Staffel auf der für sie ungewohnten Kurzstrecke. Flussschwimmerin MizKitty übernimmt nach dem ersten Wechsel und übergibt sofort an Frau Indica, die in Rekordgeschwindigkeit Kacheln wegzählt. In Bestform aus dem Trainingslager zurückgekehrt, erweitert Frau Journelle den Vorsprung der neuen Staffel. Frau Donnerhallen legt mit Schwerelosigkeit für den Schlusssprint vor. Schließlich bringt GrafTypo den Sieg für die neue Freistilstaffel nach Hause.

28 Stunden! Neuer Rekord für die Gründung eines kollaborativen Schwimmblogs!
Jubel am Beckenrand und auf den Rängen.

Denn das gab es noch nie: Einen Tag und ein bisschen brauchte es von der twitterisierten Frage „Und gibt es gute Schwimmblogs?“ von @Journelle bis zur Freischaltung von freistilstaffel.de. Herr Giardino warf den Namen ins Wasser; Herr Dentaku setzte sich als Schwimmmeister ein und organisierte Becken, Leinen und Startblöcke. Auf der Mannschaftsbank am Beckenrand warten Frau Croco und Frau Liisa noch auf ihren Einsatz. Herr Giardino wird in wichtigen internationalen Wettkämpfen Zeitnehmer sein. Frau @Adelhaid schwenkt zum Anfeuern auf den Tribünen die Fähnchen.

Das Team der Freistilstaffel hat sich vorgenommen, seinem Namen alle Ehre zu machen: Aus Spaß am sportlichen Schwimmen in allen Wassern und Disziplinen springen wir nach Lust und Laune in dieses Blogbecken. Und wo Freistil draufsteht, steckt auch viel Freiheit drin: Manche zählen am liebsten Kacheln im Becken, andere die Vögel an See- und Flussufern. Die einen sind Kurzbahn, die anderen schwimmen Langstrecke. Es gibt die Kultur-Schwimmer ebenso wie die Wassergymnasten. Freuen Sie sich also mit uns auf alles, was wir hier in loser Folge an Text, Bild und Ton ins Wasser werfen!

Ach so, natürlich nicht zu vergessen: Weitere Mitschwimmerinnen sind jederzeit willkommen! Als Gastschwimmerinnen ebenso wie als feste Staffelmitglieder. Eine Eintrittskarte bekommen Sie unter bademeister@freistilstaffel.de.

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