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Eiskalt nominiert

Wir sind die Schönwetterfluss- und Indoorschwimmerinnen, aber das geht auch ganz anders: Bei den Polar Bear Plunges am Neujahrstag wagten sich in den USA und Kanada viele, viele Unerschrockene in die Seen, Flüsse und das Meer. Gibt’s in Deutschland natürlich ebenso und läuft hierzulande unter Eisschwimmen oder Winterschwimmen – für die „komplett Durchgeknallten“ sind da durchaus 1.000 Meter bei den Ice Swimming German Open möglich, wie Martin Tschepe im Swim-Magazin berichtet …   Wir sind da sommeraffiner und arbeiten zunächst am ersten Freistilstaffel-Team für die kollektive Teilnahme beim Elbe-Schwimmen im August 2015 in Dresden. In wärmeren Fließgewässern.

Tädä! Plötzlich und unerwartet erreichte uns gestern Abend die Nachricht, dass wir mit unserem kleinen Schwimmblog dennoch eiskalt nominiert wurden und zwar für die goldenen blogger 2014 in der Kategorie Bestes Sportblog. Wir nehmen gespannt und konzentriert unseren Platz auf dem Startblock ein und danken in perfekter Kopfsprunghaltung schon einmal für die Nominierung!

Sollte Ihnen da draußen auf den Tribünen oder in den angeschlossenen Becken und Seen die Freistilstaffel gut gefallen, dann stimmen Sie für uns ab. Denn die Goldmedaille, die würden wir uns doch zu gern am morgigen Montag, nach dem Online-Voting ab 20.15 Uhr von den geschätzten BlogkollegInnen Daniel Fiene, Franziska Bluhm und Thomas Knüwer umhängen lassen. Lassen Sie sich das Durchklicken durch alle anderen nominierten Blogs in den unterschiedlichsten Kategorien von Bester Newcomer des Jahres über den Besten Blogger ohne Blog zu Sterbefall 2014  nicht entgehen – es gibt aus dem Blogjahr 2014 wieder einiges Interessantes zu entdecken.

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Im Meer

IschiaWir fahren ans Meer. „Wir“, das ist eine sechsköpfige Gruppe von Yogaurlaubern. Genau genommen sind es nur vier Yogaurlauber, die anderen beiden sind der Yogalehrer und seine Frau und noch genauer genommen bin ich natürlich keine Yogaurlauberin, sondern nur zufällig da reingeraten. Eine Freundin lud mich spontan ein, für ihre abgesprungene Begleitung einzuspringen; die Reise sei schliesslich gebucht und bezahlt und ich solle jetzt mal meinen verdammten Schreibtisch stehen lassen und mich ins Flugzeug setzen. Das täte mir mehr als gut, ich sei schon ganz wunderlich, ausserdem gäbe es dort Yoga und heisse Quellen, das wäre ja schliesslich auch was für meinen kaputten Rücken.

So sitze ich seit ein paar Tagen auf Ischia und mache zweimal täglich Yoga, beäuge misstrauisch kackbraune, dampfende Tümpel („Das ist das Eisen im Wasser, das ist gut für die Gelenke!“ – „Weil die noch nicht rostig genug sind?“), in die sich die anderen wohlig seufzend gleiten lassen und blicke sehnsüchtig aufs glitzernde Meer hinaus.

Ich bade nicht in Seen oder Tümpeln; stehendes Wasser ist mir unheimlich und zuwider, und ich gehe auch nicht gern in das, was meine Omi so schön „die städtische Badeanstalt“ nennt. In überchlortem Wasser voller Leute zu baden, mit denen ich, wenn’s nach mir ginge, nicht einmal zusammen U-Bahn fahren würde, geschweige denn das Wasser teilen? Nein, danke. Das Meer und ich aber, wir zwei mögen uns. Wir sind füreinander geschaffen. Viele meiner schönsten Stunden habe ich am, auf dem oder im Meer verbracht. Als Kind, wenn ich nicht rauskommen wollte, nur noch eine Welle, bitte, ja? Noch diese! Oh, da kommt noch eine! Oder als ich spontan nach Hawaii flog, um Wellenreiten zu lernen, auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Und jedes mögliche Wochenende, das ich mir freischaufele und auf „meine“ Insel fahre, wo ich auch in der Hochsaison die Ecken kenne, in denen das Meer und ich alleine sind und uns gegenseitig unsere Geheimnisse erzählen.

Das Meer hier ist sehr warm, das Wasser fühlt sich seltsam weich an und es kommt mir so vor, als sei der Salzgehalt besonders hoch. Jedenfalls ploppe ich beim Eintauchen schneller wieder hoch als in der Nordsee. Ich habe den Eindruck, als begrüsste es mich, als lächelte es mir zu und sagte ‚schön, dich wiederzusehen!‘. Im Geiste unterhalte ich mich mit dem Meer. ‚Aber ich war doch noch nie hier?‘ frage ich zurück. ‚Das macht nichts‘ antwortet es leise glucksend, ‚wir sind eins. Egal, wo du deinen Zeh hineintauchst, ob ins Mittelmeer, den Atlantik, den Pazifik oder die Nordsee – ich werde dich immer wiedererkennen, denn wir gehören einander.‘

Es hat keine Quallen hier, vielleicht auch nur nicht zu dieser Jahreszeit Anfang Oktober, ich weiss es nicht. Es schwimmt kein Müll darin, der Strand ist so sauber, daß man vom Fussboden essen könnte. Dabei ist mir schon klar, daß die Sauberkeit sehr relativ ist und der garantiert vorhandene Dreck nur unsichtbar: Was täglich dieselgetrieben durchs thyrrhenische Meer dampft, geht auf keine Kuhhaut.

Ich mache ein paar Züge hinaus, weg vom Strand. Vor mir liegt nur der Horizont. Ich finde das schön, sehr beruhigend und befreiend. Es gibt auch Menschen, denen macht das Angst, diese grosse Weite, diese Leere vor ihnen und das Wissen, daß es unter ihnen rund dreieinhalb Kilometer Wasser gibt und das auch noch im Vulkangebiet, über tektonischen Erdplatten, die ständig in Bewegung sind. Wenn man zu lange darüber nachdenkt, kann man in Panik geraten – diese Platzangst ist das Gegenstück zu (meiner) Klaustrophobie.

Meine Gedanken schweifen zu den Kulturen, die sich in diesem Meer schon Schlachten geliefert haben, die Etrusker, Römer, Griechen, Sarazenen, Piraten aller Nationen, Normannen, Franzosen, Habsburger. Wie viele Wracks dieser Schlachten wohl unter mir dahinschwinden und längst zerfressen wurden? Ob noch viele Goldschätze dort unten ungehoben sind und auf ihre Entdeckung warten?

Ich muss aufpassen, nicht zu weit hinauszuschwimmen, denn man verschätzt sich sehr schnell in der Entfernung, wenn man auf dem Meer schwimmt. Die Küste rückt rasch in die Ferne und unter mir wird es dunkler und kälter. Zeit, umzukehren. Nach meiner Zählung bin ich etwas über 500 Züge rausgeschwommen, keine Ahnung, was das in Metern macht. Mein Fuelband, das ich scherzhaft als den grossen Motivator bezeichne und das mich dazu bringen soll, den Allerwertesten regelmässig aus dem Schreibtischsessel zu kriegen, es ist nicht wasserfest. Es wird mir heute Abend murrend mitteilen, daß ich mich wieder einen Tag lang nicht bewegt habe, denn es kann nur Schritte zählen.

Ich drehe mich auf den Rücken und schwimme zurück zum Strand, den Blick weiterhin auf den endlosen Horizont gerichtet. Um mich herum wird es wieder heller, das Wasser wird wieder wärmer und ich höre zwei kleine Schweizer Jungs spielen. Ich drehe mich um. Sie haben Taucherbrillen auf und liegen in „toter Mann“-Position auf den Wellen. „Ein Fisch!“ ruft der kleinere. „Das war nur ein Stein!“ antwortet der andere. Sehr viel später, als ich schon längst wieder auf meinem Handtuch liege, sausen sie an mir vorbei zu ihren Grosseltern, daß der Sand nur so spritzt. „Schau mal, Oma, ein Stein wie ein Fisch! Und ich hab’ ihn gefangen!“

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Komponententrennung und Bäderpolitik

Mein Reden. Ein anderes Bäderkonzept muss her. Da traut sich aber in Berlin keiner so recht ran. Anna Sauerbrey hat sich im Tagesspiegel damit befasst.

Ich bin ja grundsätzlich eine Freundin der Komponententrennung, Claudia Keller aus Gründen ebenso. Sie erläutert in einem früher erschienenen Artikel ebenda, warum Kampfschwimmer und badehaubte Omas getrennt gehören. Und ja, manchmal ist Abreißen und Neubauen sicher die bessere Lösung.

Ich für meinen Teil gehe gleich nachgucken, wer und was sich auf den Schwimmerbahnen im Stadtbad Tiergarten so tummelt – es ist nämlich eines der wenigen Hallenbäder, die relativ durchgängig über den Sommer geöffnet waren. Aus dem Stammbad des Freundinnenschwumms gibt’s erst in zwei Wochen wieder was zu lesen. Am Heidelberger Platz in Wilmersdorf ist sonntags erst wieder ab 16. September geöffnet. Gnarf.

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Schwimmabzeichen für Erwachsene

Die Jugendschwimmabzeichen sind, zumindest mir als Mutter, recht bekannt. Die Minis starten mit dem Seepferdchen, oft im Rahmen eines Schwimmkurses. Danach haben sie die Möglichkeit, sich von Bronze zu Gold durch die verschiedenen Schwierigkeitsstufen hochzuschwimmen. Diese Möglichkeit bieten Schwimmkurse für Kinder oder Vereine. Die Wasserwacht gibt eine gute Übersicht, was alles verlangt wird zu den einzelnen Schwimmstufen.

Neu dazu gelernt habe ich, daß es auch für Erwachsene (ab 18 Jahren) den Deutschen Schwimmpass mit den Schwimmabzeichen in Bronze, Silber und Gold gibt. Wie auch bei den Kindern, dient er als Nachweis für die Fähigkeit zu Schwimmen. Von der Website der deutschen Wasserwacht habe ich zusammengetragen, was man für das entsprechende Abzeichen können sollte.

Bronze

  • Sprung vom Beckenrand und anschließend 200m Schwimmen in hoechstens 7 Minuten
  • Kenntnis der Baderegeln

Silber

  • Sprung vom Beckenrand und 400m Schwimmen in höchstens 12 Minuten
  • zweinmal ca. 2m Tieftauchen mit Heraufholen je eines Gegenstandes
  • 10m Streckentauchen
  • 2 Sprünge vom Beckenrand: je ein Sprung kopf- und fusswärts
  • Kenntnis der Baderegeln und Selbstrettung

Gold

  • 1000m Schwimmen in höchstens 24 Minuten (Männer) bzw. 29 Minuten (Frauen)
  • 100m Schwimmen in höchstens 1:50 Minuten (Männer) bzw. 2:00 Minuten (Frauen)
  • 100m Rückenschwimmen, davon 50m mit Grätschschwung ohne Armtätigkeit
  • 15m Streckentauchen
  • Tieftauchen mit Heraufholen von drei kleinen Tauchringen aus einer Tiefe von etwa 2m innerhalb von 3 Minuten in Höchstens 3 Tauchversuchen
  • Sprung aus 3m Höhe oder 2 Sprünge aus 1m Höhe, davon je ein Sprung kopf- und fusswärts
  • 50m Transportschwimmen: Schieben oder Ziehen
  • Nachweis folgender Kenntnisse: Baderegeln, Hilfe bei Bade-,Boots- und Eisunfällen (Selbstrettung und einfache Fremdrettung)

Noch nicht so klar ist mir jedoch, wie man die Abzeichen erwerben kann. Gibt es Erwachsenenschwimmkurse dafür? Gehe ich einfach zum Bademeister eines Schwimmbades und bitte ihn, mit mir das Ding durchzuziehen? Trete ich einem Verein bei? Vielleicht kann ich das noch in Erfahrung bringen und Nachtragen.

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Mein Schwimmunterricht in der DDR

Schwimmunterricht

Schwimmunterricht gehörte bei mir ab der 3. Klasse zum Stundenplan dazu. Ich bin auf dem Land groß geworden, unsere Gemeinde hatte keine eigene Schwimmhalle. Also fuhren wir zum Schwimmen mit dem Bus in die Schwimmhalle der Kreisstadt. Die Schwimmhalle war klein und verfügte damals nur über ein Becken mit 25 Meter Bahnen. Mittlerweile ist sie saniert und etwas umgebaut worden, ich war seit dem jedoch noch nicht wieder dort.

Wir Kinder wurden in Schwimmer- und Nichtschwimmer eingeteilt. Ich war in der Nichtschwimmer-Gruppe. Ziel war, das Schwimmen zu erlernen, was mit dem Schwimmabzeichen/Urkunde bestätigt wurde. Ich erinnere mich, daß wir uns an den Rand setzen mussten und der Schwimmlehrer uns mit einem beherzten Handschlag begrüßte und dabei ins Wasser zog. Heute funktioniert das anders. Es gab Kinder, die fanden das gar nicht lustig. Es gab Schwimmgürtel für jene, die sich gar nicht über Wasser halten konnten. Ich erinnere mich ausserdem vage an so auf Styrofoam schwimmende Stangen, an denen man sich festhalten konnte. Für das freie Schwimmen jedoch lief der Schwimmlehrer am Rand neben dem Becken her und hier eine Stange auf Armlänge vor uns Schwimmanfänger, an der wir uns im Falle von Schwäche festhalten konnten.

In meiner Zeichenmappe habe ich ein Bild gefunden, daß den Schwimmunterricht gut illustriert. Im März 1987 war ich 9 Jahre alt. Ich bin das Mädchen, was freudestrahlend ganz vorn im Bild von ihrer Schwimmbahn zurückläuft. Ich hatte Spaß am Schwimmen. So ging das: reinspringen, eine Bahn schwimmen (oder so weit man kommt), wieder rauskommen, zurücklaufen und hinten anstellen für die nächste Bahn. Eine Bahn, die vordere, gehörte uns Nichtschwimmern, im restlichen Becken sieht man die Schwimmer ihre Bahnen ziehen (die Bahn war eigentlich durch ein Seil abgegrenzt). Ein Kind trägt einen Schwimmgürtel. Wir trugen Badekappen! Das war Pflicht.

Schwimmabzeichen DDR

Im Laufe des Schuljahres erlernte ich Schwimmen, erreichte die Schwimmstufe G (Grundstufe) und mochte es, im Wasser zu sein. Die Grundstufe sagte aus, daß man 100 Meter Brustschwimmen kann. Der Schwimmunterricht ging nur ein Schuljahr lang. Später trat ich in den Schwimmverein ein und trainierte dort auf der langsamsten Bahn. Ich erreichte trotzdem die anderen Schwimmstufen LS 1-3 (Leistungsstufe 1-3).

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In warmen Wassern

Ich habe mich unlängst über Wassertemperaturen und das subjektive Empfinden derselben in Schwimmbädern für Schwimmer ausgelassen. Es ist aber auch nicht einfach. In meinem liebenswerten Rentner-Bootcamp (aka: Wassergymnastik-Rehasportgruppe in der ich mit meinen 49 Jahren unsere Jüngste bin) ist sie ein konstant wichtiges Thema. Alle sagen, dass es heute kalt im Becken ist, ist der Standardspruch und Wasserstandsbericht aus den Vorgängergruppen, wenn ich als unsere Jüngste und Letzte unter der Frauendusche einfalle.

Nun hat das Therapiebecken, das wir mit unserer Rheuma-Liga-Truppe nutzen, zumeist die versprochenen 32 Grad. Das ist auch ganz prima, wenn man Rheuma oder Schmerzen hat, denn dann entspannen sich die Muskeln bei den Übungen im warmen Wasser. Da ich selbst meist am Vortag in der medizinischen Muckibude trainiere, freue ich mich auch immer über den Anti-Muskelkater-Effekt, wenn ich mal wieder etwas hart geübt habe.

Gestern jedoch: große Krise! Noch nie war das Wasser so kalt! Ja, es war etwas frischer als sonst und mir persönlich damit sehr angenehm. Ich bin ja inzwischen doch sehr fit und könnte auch längst anstrengendere Aqua-Fitness in einem tiefen Kaltwasserbecken machen. Aber ich mag meine Rentnertruppe so gern und ein bisschen softes Entspannungssporteln tut mir immer gut. Außerdem bin ich dankbar und unheimlich froh – die Wassergymnastik war mit der Anfang zur Besserung meiner Meniskusprobleme. Ich erinnere mich noch genau, wie das war, als ich kaum die Treppe ins Bewegungsbad herunterkam und nicht daran zu denken war, meine Hacke beim Gehen an den Popo zu ziehen. Tempi passati; glücklicherweise, aber ich bin immer noch dankbar.

Die Ferien-Ersatz-Physiotherapeutin scheucht uns in ihrer jugendlich unbekümmerten wie energischen Art an den Poolnudeln durchs Wasser. Viel Hoppedihe, sehr gut! Meine Mitsportlerinnen sind ja muntere 59 bis 85 Jahre alt und ich freue mich, dass ich einfach eine Runde schneller rauf und runter treten oder fahrradfahren kann. Wird auch mir warm dabei.

Aber es ist so furchtbar kalt! Es hört gar nicht mehr auf mit den Klagen. Die Physiotherapeutin fängt das ab mit: Das Wasser hat genau 31,5 Grad heute. Ich finde es super, der Großteil meiner Combo zieht sich aufs theatralische Klagen zurück und Herr R. probiert es mir gegenüber auch mal mit dem Klassiker: Ich bin 82, kommen Sie erst mal in mein Alter. Dann finden Sie das auch kalt! Hey, das funktioniert wohl auch immer mit diesem Totschläger – bei meiner Oma noch im zarten Alter von 96 ihren dann doch sehrsehr erwachsenen Töchtern gegenüber vorgetragen mit dem Zusatz: … in das gewisse Alter! Also antworte ich ebenso klassisch: Ich bin immerhin schon fast 50. Da darf ich das Wasser zu warm finden, das ist auch das Alter dafür!

Ich nehme es als Scherz und freue mich über das endlich einmal mir nicht viel zu warme Wasser. Aber von hinten nähert sich unsere Zweitjüngste dem Beckenrand und legt ihre Poolnudel nach nur einer Viertelstunde nieder. Ich muss leider gehen; ich kann meine Muskeln nicht mehr bewegen. Sie hat Weichteilrheuma, ist Schmerzpatientin und bräuchte tatsächlich mindestens 33 oder 34 Grad Wassertemperatur, damit das für sie funktioniert. Ich schäme mich ein bisschen für meine Flapserei und bin sehr, sehr dankbar, dass ich mich – „nur“ verunfallt damals und nicht chronisch krank – so problemlos, inzwischen schmerzfrei und ohne auch nur darüber nachzudenken wieder bewegen kann. Egal bei welcher Temperatur.

Denn ein großes Problem in Berlin – und meines Wissens nicht nur dort – ist es, dass Bewegungsbäder in großer Zahl geschlossen wurden. Waren es vor zehn Jahren noch 70 Therapiebecken mit den benötigten Temperaturen über 30 Grad, sind es heute gerade mal noch 48, wie man hier nachlesen kann. (Das ist zwar ein etwas älterer, bezahlter Beilagen-Artikel, aber ich weiß es auch aus der Rheuma-Liga Berlin selbst, das das wirklich so ist.) Therapiebecken mit hohen Temperaturen sind nämlich teuer und die Krankenkassen rechnen nur noch Fallpauschalen ab; das lohnt sich also bei enorm gestiegenen Betriebskosten oft nicht mehr für die Betreiber.

Ich hätte gern ein bisschen mehr in unserer halben Wassergymnastikstunde geschwitzt, wenn es meiner Mitsportlerin gut getan hätte. Für mich ist es nur eine Entspannungssportstunde, für sie eigentlich dringend notwendige Erleichterung. Vielleicht nächstes Mal wieder, bei den zugesagten und eigentlich auch sonst immer vorhandenen 32 Grad. Ich werde ganz bestimmt demütig und dankbar, dafür wie gut es mir doch geht, meine große Klappe halten.

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Schwimmbadttest / Marzahn

Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Es ist Sommerferien und schon kann keiner mehr hingehen. Viele Hallenbäder sind zu oder haben komische Öffnungszeiten. Freibäder mag ich mitten in Berlin so gar nicht und an diesem Tag führen mich meine Wege ohnehin in den nördlicheren Osten, so dass ich einen Ausflug nach Marzahn mache.

Jawohl. Eine Kreuzbergerin mit Lieblingsbad SSE (Prenzlauer Berg) und ersatzweise dem schön kühlen Stadtbad Tiergarten (Grobe Verunreinigung/Moabit) nutzt die automobilen Möglichkeiten und so schunkele und staue ich mich auf der Landsberger Allee sehr stop&go gen Märkische Alle und Helene-Weigel-Platz. Dennoch: Es ist so schönes Sommerfeeling! Ich mache einen regelrechten Ausflug in den Osten. 13 Kilometer für einen Schwumm. Luxus!

Die Schwimmhalle Helmut Behrendt ist praktisch direkt hinterm S-Bahnhof Springpfuhl gelegen; man könnte also auch ohne Auto hinkommen, was aber von mir, von Kreuzberg aus, eine Weltreise wäre. Ist Ihnen übrigens in Berlin mal aufgefallen, dass die Hallenbäder im Osten alle Schwimmhalle, im Westen dagegen Stadtbad heißen? Gucken Sie mal auf die Übersicht der Berliner Bäder Betriebe, die hierzulande für beinah alle Bäder zuständig sind.

Ich bestaune also den zentralen Platz vor dem Rathaus Marzahn, nicht uneinladend, mit den üblichen Geschäften bis hin zu einem Spätabends-Kaiser’s versehen, und vor allem mit dem rostbraunen Klinkerbau des ehemaligen Rathauses Marzahn unübersehbar mittendrin. Wasndasn? Wie ich später nachlese, kein dem Abriss geweihtes 70er-Jahre-Monstrum, sondern inzwischen ein bespieltes Bürgerhaus; soso; Trash-Optik mitten auf dem wohlgestalteten, von echten Ost-Hochhäusern umstandenen Platz. Der Osten ist mir mit seiner Architektur bekanntermaßen nicht fremd, dennoch stehe ich in der Großsiedlung so alienhaft fasziniert herum. Das wäre aber in Hagen-Boele auch nicht anders. Ein kleiner Teich liegt linkerhand, Blümchen und Beete sind am Wegesrand angelegt; der Springpfuhl selbst ist auch ganz in der Nähe. Ich sehe im Hintergrund den Stern des ehemaligen Sojus-Kinos aufleuchten. Es ist halt viel Ehemaliges vor Ort …

Den Part Ausflug hätten wir damit also auch beinah vollumfänglich absolviert. Ich bitte allerdings zu entschuldigen, dass ich auf dem Weg zum Schwimmbad keine ausgewachsene Kamera dabei hatte, so dass Sie sich an dieser Stelle mit einem Link auf die Wikipedia zum Helene-Weigel-Platz zufrieden geben müssen.

Doch zurück zum eigentlichen Zweck: Schwimmen; Schwimmbadbesuch. Im Eingangsbereich der Halle eine superfreundliche Mitarbeiterin, die mir das Prinzip dieser – spezifisch östlichen? – Magnetschließarmbänder sogar an einem kleinen Extramodell zeigt und mir die Spielregeln (Wo Schuhe ausziehen? Wo ist welcher Durchgang?) aufs Netteste erläutert. Umkleiden, ein großflächiger Fön-und-Spiegelbereich entlang der rückwärtigen verglasten Längsseite und Duschen sind ebenerdig angeordnet. Es sind kurze Wege, alles ist gescheit saniert vor wohl nicht allzu langer Zeit. (Wer die Umkleiden und Wege im Spreewaldbad, treppauf-treppab und sehr länglich, kennt, der achtet auf solche Details!)

Ebenfalls ausschlaggebend für meine Wahl: ein 50-Meter-Becken – darauf steh ich ja. 28 Grad Wassertemperatur, okay. Der Temperatur schenke ich zunächst keine Beachtung, aber ich habe den Eindruck, dass es im Wasser ganz schön warm ist. Wärmer als im SSE und auf jeden Fall wärmer als in der Seydlitzstraße, wo bei 27 Grad eine für mich gefühlt optimale Temperatur im Becken herrscht. Dabei hat das SSE sogar nominell mit 26 Grad noch einen Grad weniger. Aber es kommt mir wärmer als das Stadtbad Tiergarten vor. Vielleicht liegt es ja am Alter, an der allmählich konstant nach oben orientierten Temperaturregulierung. Aber subjektiv ist mir Tiergarten am kühlsten, dann kommt das SSE und nun, in Marzahn bekomme ich nach 500 Metern das Gefühl von Warmbadetag. Was nur ein Grad ausmacht.

Aber es ist relativ leer in der Zwischen-Zeit so gegen 19 Uhr. Lange habe ich eine 50-Meter-Bahn nur für mich, da kann ich richtig abschalten, ohne ständig achtgeben zu müssen, wer mich überholt, wer mir folgt oder an wem ich vorbeiziehen muss. Herrlich! Ich groove mich nur ein bisschen ein mit zwei Runden Brust und kraule dann weiter. Da ich allein unterwegs bin, kann ich so lange im Wasser bleiben, wie es mir behagt und ich nutze das, bis ich 2.200 Meter hinter mir gelassen habe. Allerdings bin ich danach auch ordentlich platt, insbesondere, weil es mir letztlich doch zu warm ist; an einem lauen Sommerabend allemal.

Ein bisschen störend ist für mich die an- und abschwellende Musik von der Randbahn. Dort treten und paddeln die Aquafitness-Damen zu Krawummsmusik vor sich hin. Ich bin zwar entfernt davon unterwegs, aber da ich gern abschalte beim Bahnenziehen, ist mir das nichts. Voller wird es übrigens erst, als ich gegen 20 Uhr das Becken verlasse; viele junge Leute sind auf einmal im Wasser. Ist irgendwo eine Uni, ein Studentenwohnheim in der Nähe? Schüler sind es jedenfalls nicht mehr; außerdem sind gerade Sommerferien.

Beim Auschecken ist auch alles wieder sehr nett, gut nutzbar und unkompliziert. Ich fühle mich auch nicht unwohl, als ich das Bad in beginnender Dämmerung verlasse, um zum Parkplatz zu laufen. In mir unübersichtlichen Weltgegenden, die ich nicht kenne, bin ich da ja schon erst mal beim Andunkeln eher skeptisch. Aber nichts, alles okay, keine komischen Figuren. Praktisch, dass der Kaiser’s noch geöffnet ist und ich notwendige Einkäufe sogar so spät noch nebenbei erledigen kann.

Ich habe mich also wohl gefühlt, bei meinem Schwimm-Ausflug in den fernen Osten … und als ich dann noch über die Allee der Kosmonauten, die schmucklose breite Straße mit dem wohl poetischsten Namen in Berlin, zurückfahre, bin ich ein womöglich nicht besserer, aber auf jeden Fall besser trainierter und froherer Mensch.

Die Schwimmhalle Helmut Behrendt am Helene-Weigel-Platz bekommt von mir also das Prädikat Machensemal. Lohnt sich in Kombination mit einem Stadtausflug und geht vor allem mit Bad-Öffnungszeiten bis 22 Uhr werktags auch abends noch richtig gut.

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Publikumsverkehr

Jugend am Sprungturm

Der Tag am Badesee beginnt früh. Ab 5.30 Uhr muss man damit rechnen, dass der oder die erste Schwimmer(in) sich forschen Schrittes dem Seeufer nähert. Meist schon in Schwimmkleidung, manchmal einen mehr oder weniger eleganten Bademantel darüber oder auch nur ein Handtuch um den Hals geschlungen. Es sind in der Regel grau-, bzw. weißhaarige Schwimmer(innen) deutlich jenseits des Rentenalters, mit hagerem noch recht durchtrainiertem Körperbau, die um diese Zeit ihre morgendliche Schwimmrunde absolvieren. Da der See für hiesige Verhältnisse relativ tief ist, schwimmen sie meist nur etwas hinaus in den See und kehren schnell zurück, denn um diese Zeit ist das Wasser noch recht kalt. Das weiß ich, weil ich mich von diesen Schwimmern bzw. Schwimmerinnen irgendwie herausgefordert gefühlt habe und es mal selbst probiert habe, so früh schon im See zu schwimmen.

Tatsächlich war es ein großartiges Erlebnis. Ich war an diesem Morgen wirklich die allererste Schwimmerin. Der See lag noch völlig unberührt, glasklar vor mir. Ich hatte einen guten Tag für diesen Morgenschwumm gewählt, und so war das Wasser über Nacht nicht ganz so stark abgekühlt, wie ich befürchtet hatte. Nach dem ersten „Hallo-Wach-Moment“, war es dann auszuhalten eine Weile zu schwimmen. Die Bäume des Waldes standen noch recht dunkel am Ufer, die Vögel waren etwas verhalten unterwegs. Während ich im See schwamm und rechts und links hinter mir eine Perlenkette von Luftblasen die Bahn markierte, ging dann die Sonne langsam hinter den Bäumen auf und warf ihr Licht zwischen den Bäumen hindurch aufs Wasser, wo sie eine sich langsam verbreiternde und immer intensiver leuchtende Spur zog. Für eine kleine Weile hatte ich diese morgendliche Idylle noch für mich alleine, dann sah ich, wie sich am Ufer der erste Senior näherte. Der wiederum war reichlich irritiert, dass da offenbar schon jemand vor ihm in den See gestiegen war. Die morgendlichen Schwimmer sind eine kleine aber eingeschworene Truppe und mich kannte er natürlich nicht. Wir nickten uns nur kurz zu, und ich bildete mir ein, dass in seinem Nicken ein Hauch von Anerkennung mitschwang.

An manchen Tagen kann es im Laufe des Vormittags passieren, dass plötzlich ein Mann in einem Neoprenanzug am See auftaucht, wort- und grußlos ins Wasser steigt und so gut wie lautlos Richtung gegenüberliegendes See-Ende davon krault. Diese Szene hat immer etwas irgendwie Geheimnisvolles und Irreales. Da der Mann sehr schnell unterwegs ist, ist er recht bald kaum noch mit bloßem Auge auszumachen, und man fragt sich, ob er überhaupt wirklich da gewesen ist oder ob man ihn sich nur eingebildet hat. Wenn er zurückkehrt, steigt er genauso wortlos und kaum ausser Atem wieder aus dem Wasser und verschwindet. Wohin, weiß niemand.

Ansonsten bleibt der See am Vormittag meist von weiteren Schwimmern verschont. Selten mal sieht man Touristen, die im Landgasthof übernachtet haben, die in einem heroischen Akt gegen 10 Uhr einen Morgenschwumm absolvieren aber meist nicht lange im Wasser bleiben, weil sie doch von der Kühle des Wassers überrascht sind. Selbiges gilt für die Gäste des Seeschlosses an einem der Seitenufer des Sees. Die haben sogar einen eigenen Zugang zum See direkt auf dem Hotelgelände. Aber unter diesen Gästen ist es noch seltener, dass sie schon so früh am Tag im See schwimmen.

Am späten Mittag, so etwa ab 14.00 Uhr (die Mecklenburger stehen sehr früh auf und essen dementsprechend auch schon sehr früh zu Mittag; so etwa ab 11 Uhr (!)) tauchen die ersten Mütter mit Kleinkindern auf. Sie breiten große Badelaken oder Decken aus, lagern sich auf dem Rasen unter den uralten Bäumen und lassen die Kleinen ihren Mittagsschlaf in deren Schatten beenden. Wenn die Kleinen dann ausgeschlafen haben, geht das Plantschen im Bereich des breit angelegten Einstiegs in den See los. Es wird deutlich lauter am See.

Zwischen 15.00 und  16.00 Uhr tauchen dann die ein wenig älteren Geschwister und die ersten Teenies und Jugendlichen am See auf. Die Teenies fallen gleich in kleinen Horden ins Gelände ein und schleppen allerhand Zeug wie Luftmatratzen, aufblasbare kleine Bötchen, Bälle, etc. mit sich. Nun geht das Gekicher und Geschrei los. Wenn man ihr Verhalten am See in ein Wort fassen müsste, würde ich sagen: raumgreifend!

Die Mütter der Kleinkinder werden sichtlich nervöser und versuchen kleinere Zusammenstöße und Unfälle zu vermeiden. Die wilde Horde rennt sonst schon mal gerne eines der kleineren Kinder um, oder es brechen plötzlich wilde Wasserschlachten aus, in deren Spritzgewittern die Kleinen schnell mal die Orientierung verlieren oder von Wasserspritzerkasskaden getroffen in lautes Geheul ausbrechen. Dann ist es aber mit der Geduld der Mütter auch vorbei und sie rufen die Teenies mit deutlichen Ansagen zur Ordnung. Für etwas fünf Minuten trägt das durchaus Früchte. Danach geht das Theater von vorne los. Trotzdem scheinen sich alle prächtig zu amüsieren.

Etwas zwischen 16.00 und 17.00 Uhr tauchen immer mehr Jugendliche und junge Erwachsene auf; entweder in kleiner Cliquen-Stärke oder als Pärchen. In der Regel orientieren sie sich gleich in Richtung auf den Badesteg ganz rechts. Der hat nämlich eine Besonderheit, einen Sprungturm. Der mittlere Badesteg wird in erster Linie gerne von Touristen belegt, der linke Badesteg von den Einheimischen, die dem Jugendalter entwachsen sind. Die Einheimischen wandern allerdings im Laufe des Nachmittags bzw. gegen Abend, wenn die Schatten anfangen den linken Badesteg zu fressen weiter auf den mittleren Steg.

Aber zurück zu den Jugendlichen, die auf dem ganz rechten Badesteg ihr Lager aufschlagen und dort gerne Stunden mit allerhand Balzgehabe zubringen. Die männlichen Exemplare sondern allerhand coole Sprüche ab, reißen in einem fort Witze und stolzieren  auf dem (sehr langen!) Badesteg herum. Dabei präsentieren sie ihre braungebrannten und antrainierten Muskeln inklusive erster Tattoos. Die holden Jungfrauen jungen Mädchen tun betont uninteressiert und linsen doch höchst aufmerksam, was die Gockelchen jungen Kerle da so aufführen.

In unregelmäßigen Abständen brechen kleine Hahnenkämpfe aus, die meistens damit enden, dass sich die Kerle gegenseitig ins Wasser werfen, bis sie auf die Idee kommen, dass es noch lustiger wäre, die Mädchen ins Wasser zu werfen. Großes Gekreisch und halbherzig vorgebrachte Drohungen, die natürlich nichts nutzen, von Seiten der Mädchen und am Ende sind sie alle im Wasser. Einige werfen sich gegenseitig kleine Tennisbälle oder Ringe zu, andere sondern sich in Pärchen von der Gruppe ab und schwimmen weiter hinaus oder in Richtung einer der kleinen etwas abgelegeneren Ufereinbuchtungen.

Jugend am Sprungturm

Haben die Mädchen keine Lust mehr im Wasser zu sein, wandern alle wieder auf den Steg und die Jungen erklettern den Sprungturm und zeigen ihre Sprungkünste. Wer darin nicht sonderlich talentiert ist, probiert es mit Arschbomben (knapp neben die auf dem Steg sonnenden Mädels gezielt), deren Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Nach meiner Beobachtung bringt das aber eher weniger Sympathiepunkte, erzeugt aber wieder viel Gekreisch.

Jugend am Sprungturm

Bei den springenden Jungs sind meist auch ein oder zwei Mädels, die die Rolle „Kumpel zum Pferdestehlen“ geben und ebenfalls unter dem großzügig anerkennend (allerdings auch ohne jeglichen erotischen Beiklang) gewährten Beifall der Jungs ihre Sprungkünste zeigen.
Haben sich alle müde gesprungen, gibt es gerne auch noch diverse Wettschwimmen: Jungs gegen Jungs, Jungs gegen Mädels. Danach ist Chillen (und Schmusen) auf dem Badesteg angesagt. Manche verlegen das Schmusen aber auch unter oder gleich hinter einen der rückwärtigen alten Bäume auf der Liegewiese.

Ab 16.00 Uhr etwa (nach dem Tee!) sieht man dann auch erstmals Gäste des Seeschloß-Hotels in größerer Anzahl auf den bereitgestellten Liegen und an ihrem Badesteg, wo sie ins Wasser steigen und im hinteren Teil des Sees ihre Bahnen ziehen. Von dort nähert sich dann auch erstmals das ein oder andere Tret- oder Ruderboot, dem Badebereich des normalen Seepublikums. Aber die Gäste vom Hotel bleiben in der Regel lieber unter sich. Selten mal verirren sich welche – erkennbar am hoteleigenen strahlendweißen Bademantel – zum allgemeinen Badeplatz.

Noch eine weitere Gruppe taucht ab etwa 16.00 Uhr wieder am See auf. Die Rentner und Alten aus dem Dorf. Stoisch marschieren sie durch das Bade- und Plantsch-Chaos im Uferbereich und schwimmen dann diszipliniert ihre Bahn im See. Danach gehen manche gleich wieder nach Hause. Andere übernehmen die Aufsicht über ihre kleinen Enkelkinder und entlasten die Mütter etwas. Wieder andere setzen sich auf den ganz linken oder den mittleren Badesteg und tauschen sich mit anderen Senioren über den neuesten Dorfklatsch aus oder kommentieren das Bade- und Schwimmgeschehen.

Ab 17.00 Uhr tauchen dann die ersten Väter auf, die sich zu ihren Frauen und kleinen Kindern gesellen und sich eine Abkühlung und Erfrischung nach der Arbeit gönnen. Meist übernehmen sie dann auch die Aufsicht über die Kinder und Oma/Opa bzw. die Mütter können selbst nochmal eine Bahn durch den See schwimmen. Lange müssen die Väter die Kleinen aber nicht beaufsichtigen, denn die meisten Familien mit kleinen Kindern packen dann bald ihre Sachen und orientieren sich heimwärts (Mecklenburger stehen nicht nur sehr früh auf, sie gehen auch früh schlafen). Auch viele Touristen räumen langsam ihre Badetücher und Decken zusammen, suchen Schwimmequipment und eisen ihre Kinder vom See los. Das Abendessen ruft!

Die Jugendlichen und einige ältere aber relativ jungverliebte Paare sind in der Regel die Ausdauerndsten am See und schwimmen immer wieder mal hinaus auf den See. Doch je tiefer die Sonne  hinter die Bäume sinkt, je weiter die abendlichen Schatten sich vorarbeiten desto mehr nehmen auch die Mücken überhand und irgendwann vergeht es auch dem letzten, noch im See zu schwimmen oder auf dem Badesteg oder der Badewiese als Selbstbedienungsbüffet für die Mücken zu dienen.

Später als 20.00 Uhr sieht man höchstens noch frisch eingetroffene Touristen, die im Landgasthof abgestiegen sind, die nach der anstrengenden Anreise oder nach einem langen Ausflugstag noch schnell eine Abkühlung im See (vor der Tür) nehmen wollen. Es sind zwar vielleicht auch noch Jugendliche am See aber die bleiben dann auf dem Badesteg und steigen nicht mehr ins Wasser.

Ist die Sonne schließlich ganz untergegangen, kehrt endgültig Ruhe ein am See. Höchstens noch das ein oder andere verliebte Pärchen (Einheimische oder Touristen) ist irgendwo auf einem der in Dunkelheit gehüllten Badestege. Man hört sie bei entsprechender Windrichtung flüstern und kichern.

Ganz ganz selten, gibt es jemand Verrücktes, der wenigstens noch ein paar Züge im Stockfinsteren macht. Ich fühle mich herausgefordert und irgendwann wird der Tag kommen, wo ich ganz allein bei Vollmond im See schwimmen werde.

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Schwimmen durch München: Das Schyrenbad

Für mich ist das Schyrenbad das nächstgelegene: Mit dem Fahrrad bin ich in 10 Minuten dort.
Für den Rest der Welt ist es das älteste Freibad Münchens mit bewegter Geschichte.

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Vor allem aber verfügt es über ein 50-Meter-Becken mit zwei abgeteilten Schwimmbahnen. Und die nutze ich gerne. Wenn die Temperaturen, wie heute, deutlich unter Badewetter liegen, ziehe ich mich im Gebäude mit den Spinden um und lasse alle Kleidung und alles Gepäck in einem der Spinde (Spindpfand ist eine 2-Euro-Münze oder die aufladbare Bäderkarte der Münchner Stadtwerke, die ich als Vielschwimmerin selbstverständlich besitze).

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Bei Badewetter lasse ich lediglich Geldbeutel und Hausschlüssel in einem der Minispinde gleich rechts vom Eingang und breite meine sonstigen Sachen auf einer Liegewiese aus.

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Ab ins Wasser. In der Mitte des Beckenrands sehen Sie einen mechanischen Aufzugstuhl, mit dem bewegungseingeschränkte Menschen ins und aus dem Wasser kommen. Allerdings muss ein zweiter Mensch kurbeln.

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Heute teilte ich mir die Bahn die meiste Zeit sehr entspannt mit anderen Schwimmern und Schwimmerinnen, erst auf den letzten 500 Metern irritierte mich ein Herr, der mich an einer Wende mit mächtiger Bewegung überholte, dann aber etwas langsamer schwamm als ich. In solch einem Fall wechsle ich meist einfach die Richtung, um dieser Schwimmeinheit möglichst lange nicht mehr zu begegnen.

Etwas wärmer war es geworden, doch immer noch weit von Badewetter entfernt. Ich duschte im Umkleidegebäude, zog mich in einer Umkleidekabine um, bemerkte, dass ich meinen Bikini in der Dusche vergessen hatte und holte ihn, nutzte einen der kostenlosen Föhns, um meine Haare zu trocknen (tief verwurzelte Überzeugung, dass ich mit nassen Haaren sofort krank werde).

Einen Kiosk hat das Schyrenbad schon auch, doch dort habe ich noch nie eingekauft.

Hier das Schwimbecken bei Badewetter von der gegenüberliegenden Seite (vor genau einem Jahr).

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