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Schwimm-Kunst

Ann at Temescal - © Jane Fisher

Ann at Temescal – © Jane Fisher

Swimmer - © Jane Fisher

Swimmer – © Jane Fisher

Ann Twice - © Jane Fisher

Ann Twice – © Jane Fisher

Full Twist - © Jane Fisher

Full Twist – © Jane Fisher

Pike - © Jane Fisher

Pike – © Jane Fisher

Cudas - © Jane Fisher

Cudas – © Jane Fisher

Es gibt Kunstschwimmen und Schwimmkünste und es gibt Schwimm-Kunst, also Kunst, die Motive aus dem Bereich des Schwimmens zeigt. Kürzlich bin ich auf die US-amerikanische Malerin Jane Fisher gestossen, die eine ganze Reihe von Bildern gemalt hat, die Motive aus dem Bereich des Schwimmens zeigen. Mehr von diesen Bildern kann man z.B. hier und hier auf ihrer Webseite sehen.

 

 

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Publikumsverkehr

Jugend am Sprungturm

Der Tag am Badesee beginnt früh. Ab 5.30 Uhr muss man damit rechnen, dass der oder die erste Schwimmer(in) sich forschen Schrittes dem Seeufer nähert. Meist schon in Schwimmkleidung, manchmal einen mehr oder weniger eleganten Bademantel darüber oder auch nur ein Handtuch um den Hals geschlungen. Es sind in der Regel grau-, bzw. weißhaarige Schwimmer(innen) deutlich jenseits des Rentenalters, mit hagerem noch recht durchtrainiertem Körperbau, die um diese Zeit ihre morgendliche Schwimmrunde absolvieren. Da der See für hiesige Verhältnisse relativ tief ist, schwimmen sie meist nur etwas hinaus in den See und kehren schnell zurück, denn um diese Zeit ist das Wasser noch recht kalt. Das weiß ich, weil ich mich von diesen Schwimmern bzw. Schwimmerinnen irgendwie herausgefordert gefühlt habe und es mal selbst probiert habe, so früh schon im See zu schwimmen.

Tatsächlich war es ein großartiges Erlebnis. Ich war an diesem Morgen wirklich die allererste Schwimmerin. Der See lag noch völlig unberührt, glasklar vor mir. Ich hatte einen guten Tag für diesen Morgenschwumm gewählt, und so war das Wasser über Nacht nicht ganz so stark abgekühlt, wie ich befürchtet hatte. Nach dem ersten „Hallo-Wach-Moment“, war es dann auszuhalten eine Weile zu schwimmen. Die Bäume des Waldes standen noch recht dunkel am Ufer, die Vögel waren etwas verhalten unterwegs. Während ich im See schwamm und rechts und links hinter mir eine Perlenkette von Luftblasen die Bahn markierte, ging dann die Sonne langsam hinter den Bäumen auf und warf ihr Licht zwischen den Bäumen hindurch aufs Wasser, wo sie eine sich langsam verbreiternde und immer intensiver leuchtende Spur zog. Für eine kleine Weile hatte ich diese morgendliche Idylle noch für mich alleine, dann sah ich, wie sich am Ufer der erste Senior näherte. Der wiederum war reichlich irritiert, dass da offenbar schon jemand vor ihm in den See gestiegen war. Die morgendlichen Schwimmer sind eine kleine aber eingeschworene Truppe und mich kannte er natürlich nicht. Wir nickten uns nur kurz zu, und ich bildete mir ein, dass in seinem Nicken ein Hauch von Anerkennung mitschwang.

An manchen Tagen kann es im Laufe des Vormittags passieren, dass plötzlich ein Mann in einem Neoprenanzug am See auftaucht, wort- und grußlos ins Wasser steigt und so gut wie lautlos Richtung gegenüberliegendes See-Ende davon krault. Diese Szene hat immer etwas irgendwie Geheimnisvolles und Irreales. Da der Mann sehr schnell unterwegs ist, ist er recht bald kaum noch mit bloßem Auge auszumachen, und man fragt sich, ob er überhaupt wirklich da gewesen ist oder ob man ihn sich nur eingebildet hat. Wenn er zurückkehrt, steigt er genauso wortlos und kaum ausser Atem wieder aus dem Wasser und verschwindet. Wohin, weiß niemand.

Ansonsten bleibt der See am Vormittag meist von weiteren Schwimmern verschont. Selten mal sieht man Touristen, die im Landgasthof übernachtet haben, die in einem heroischen Akt gegen 10 Uhr einen Morgenschwumm absolvieren aber meist nicht lange im Wasser bleiben, weil sie doch von der Kühle des Wassers überrascht sind. Selbiges gilt für die Gäste des Seeschlosses an einem der Seitenufer des Sees. Die haben sogar einen eigenen Zugang zum See direkt auf dem Hotelgelände. Aber unter diesen Gästen ist es noch seltener, dass sie schon so früh am Tag im See schwimmen.

Am späten Mittag, so etwa ab 14.00 Uhr (die Mecklenburger stehen sehr früh auf und essen dementsprechend auch schon sehr früh zu Mittag; so etwa ab 11 Uhr (!)) tauchen die ersten Mütter mit Kleinkindern auf. Sie breiten große Badelaken oder Decken aus, lagern sich auf dem Rasen unter den uralten Bäumen und lassen die Kleinen ihren Mittagsschlaf in deren Schatten beenden. Wenn die Kleinen dann ausgeschlafen haben, geht das Plantschen im Bereich des breit angelegten Einstiegs in den See los. Es wird deutlich lauter am See.

Zwischen 15.00 und  16.00 Uhr tauchen dann die ein wenig älteren Geschwister und die ersten Teenies und Jugendlichen am See auf. Die Teenies fallen gleich in kleinen Horden ins Gelände ein und schleppen allerhand Zeug wie Luftmatratzen, aufblasbare kleine Bötchen, Bälle, etc. mit sich. Nun geht das Gekicher und Geschrei los. Wenn man ihr Verhalten am See in ein Wort fassen müsste, würde ich sagen: raumgreifend!

Die Mütter der Kleinkinder werden sichtlich nervöser und versuchen kleinere Zusammenstöße und Unfälle zu vermeiden. Die wilde Horde rennt sonst schon mal gerne eines der kleineren Kinder um, oder es brechen plötzlich wilde Wasserschlachten aus, in deren Spritzgewittern die Kleinen schnell mal die Orientierung verlieren oder von Wasserspritzerkasskaden getroffen in lautes Geheul ausbrechen. Dann ist es aber mit der Geduld der Mütter auch vorbei und sie rufen die Teenies mit deutlichen Ansagen zur Ordnung. Für etwas fünf Minuten trägt das durchaus Früchte. Danach geht das Theater von vorne los. Trotzdem scheinen sich alle prächtig zu amüsieren.

Etwas zwischen 16.00 und 17.00 Uhr tauchen immer mehr Jugendliche und junge Erwachsene auf; entweder in kleiner Cliquen-Stärke oder als Pärchen. In der Regel orientieren sie sich gleich in Richtung auf den Badesteg ganz rechts. Der hat nämlich eine Besonderheit, einen Sprungturm. Der mittlere Badesteg wird in erster Linie gerne von Touristen belegt, der linke Badesteg von den Einheimischen, die dem Jugendalter entwachsen sind. Die Einheimischen wandern allerdings im Laufe des Nachmittags bzw. gegen Abend, wenn die Schatten anfangen den linken Badesteg zu fressen weiter auf den mittleren Steg.

Aber zurück zu den Jugendlichen, die auf dem ganz rechten Badesteg ihr Lager aufschlagen und dort gerne Stunden mit allerhand Balzgehabe zubringen. Die männlichen Exemplare sondern allerhand coole Sprüche ab, reißen in einem fort Witze und stolzieren  auf dem (sehr langen!) Badesteg herum. Dabei präsentieren sie ihre braungebrannten und antrainierten Muskeln inklusive erster Tattoos. Die holden Jungfrauen jungen Mädchen tun betont uninteressiert und linsen doch höchst aufmerksam, was die Gockelchen jungen Kerle da so aufführen.

In unregelmäßigen Abständen brechen kleine Hahnenkämpfe aus, die meistens damit enden, dass sich die Kerle gegenseitig ins Wasser werfen, bis sie auf die Idee kommen, dass es noch lustiger wäre, die Mädchen ins Wasser zu werfen. Großes Gekreisch und halbherzig vorgebrachte Drohungen, die natürlich nichts nutzen, von Seiten der Mädchen und am Ende sind sie alle im Wasser. Einige werfen sich gegenseitig kleine Tennisbälle oder Ringe zu, andere sondern sich in Pärchen von der Gruppe ab und schwimmen weiter hinaus oder in Richtung einer der kleinen etwas abgelegeneren Ufereinbuchtungen.

Jugend am Sprungturm

Haben die Mädchen keine Lust mehr im Wasser zu sein, wandern alle wieder auf den Steg und die Jungen erklettern den Sprungturm und zeigen ihre Sprungkünste. Wer darin nicht sonderlich talentiert ist, probiert es mit Arschbomben (knapp neben die auf dem Steg sonnenden Mädels gezielt), deren Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Nach meiner Beobachtung bringt das aber eher weniger Sympathiepunkte, erzeugt aber wieder viel Gekreisch.

Jugend am Sprungturm

Bei den springenden Jungs sind meist auch ein oder zwei Mädels, die die Rolle „Kumpel zum Pferdestehlen“ geben und ebenfalls unter dem großzügig anerkennend (allerdings auch ohne jeglichen erotischen Beiklang) gewährten Beifall der Jungs ihre Sprungkünste zeigen.
Haben sich alle müde gesprungen, gibt es gerne auch noch diverse Wettschwimmen: Jungs gegen Jungs, Jungs gegen Mädels. Danach ist Chillen (und Schmusen) auf dem Badesteg angesagt. Manche verlegen das Schmusen aber auch unter oder gleich hinter einen der rückwärtigen alten Bäume auf der Liegewiese.

Ab 16.00 Uhr etwa (nach dem Tee!) sieht man dann auch erstmals Gäste des Seeschloß-Hotels in größerer Anzahl auf den bereitgestellten Liegen und an ihrem Badesteg, wo sie ins Wasser steigen und im hinteren Teil des Sees ihre Bahnen ziehen. Von dort nähert sich dann auch erstmals das ein oder andere Tret- oder Ruderboot, dem Badebereich des normalen Seepublikums. Aber die Gäste vom Hotel bleiben in der Regel lieber unter sich. Selten mal verirren sich welche – erkennbar am hoteleigenen strahlendweißen Bademantel – zum allgemeinen Badeplatz.

Noch eine weitere Gruppe taucht ab etwa 16.00 Uhr wieder am See auf. Die Rentner und Alten aus dem Dorf. Stoisch marschieren sie durch das Bade- und Plantsch-Chaos im Uferbereich und schwimmen dann diszipliniert ihre Bahn im See. Danach gehen manche gleich wieder nach Hause. Andere übernehmen die Aufsicht über ihre kleinen Enkelkinder und entlasten die Mütter etwas. Wieder andere setzen sich auf den ganz linken oder den mittleren Badesteg und tauschen sich mit anderen Senioren über den neuesten Dorfklatsch aus oder kommentieren das Bade- und Schwimmgeschehen.

Ab 17.00 Uhr tauchen dann die ersten Väter auf, die sich zu ihren Frauen und kleinen Kindern gesellen und sich eine Abkühlung und Erfrischung nach der Arbeit gönnen. Meist übernehmen sie dann auch die Aufsicht über die Kinder und Oma/Opa bzw. die Mütter können selbst nochmal eine Bahn durch den See schwimmen. Lange müssen die Väter die Kleinen aber nicht beaufsichtigen, denn die meisten Familien mit kleinen Kindern packen dann bald ihre Sachen und orientieren sich heimwärts (Mecklenburger stehen nicht nur sehr früh auf, sie gehen auch früh schlafen). Auch viele Touristen räumen langsam ihre Badetücher und Decken zusammen, suchen Schwimmequipment und eisen ihre Kinder vom See los. Das Abendessen ruft!

Die Jugendlichen und einige ältere aber relativ jungverliebte Paare sind in der Regel die Ausdauerndsten am See und schwimmen immer wieder mal hinaus auf den See. Doch je tiefer die Sonne  hinter die Bäume sinkt, je weiter die abendlichen Schatten sich vorarbeiten desto mehr nehmen auch die Mücken überhand und irgendwann vergeht es auch dem letzten, noch im See zu schwimmen oder auf dem Badesteg oder der Badewiese als Selbstbedienungsbüffet für die Mücken zu dienen.

Später als 20.00 Uhr sieht man höchstens noch frisch eingetroffene Touristen, die im Landgasthof abgestiegen sind, die nach der anstrengenden Anreise oder nach einem langen Ausflugstag noch schnell eine Abkühlung im See (vor der Tür) nehmen wollen. Es sind zwar vielleicht auch noch Jugendliche am See aber die bleiben dann auf dem Badesteg und steigen nicht mehr ins Wasser.

Ist die Sonne schließlich ganz untergegangen, kehrt endgültig Ruhe ein am See. Höchstens noch das ein oder andere verliebte Pärchen (Einheimische oder Touristen) ist irgendwo auf einem der in Dunkelheit gehüllten Badestege. Man hört sie bei entsprechender Windrichtung flüstern und kichern.

Ganz ganz selten, gibt es jemand Verrücktes, der wenigstens noch ein paar Züge im Stockfinsteren macht. Ich fühle mich herausgefordert und irgendwann wird der Tag kommen, wo ich ganz allein bei Vollmond im See schwimmen werde.

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Headbangen im Schwimmbad

Preisfrage: Was hat eine Breite von ca. 2,5 Zentimetern und zwei Windungen?

Der menschliche Gehörgang. Und hätten Sie’s gewusst? Sie fragen sich jetzt vielleicht, wieso man das wissen muss. Naja, wer nicht gerade Hals-Nasen-Ohrenarzt ist, Vater oder Mutter kleiner Kinder (die sich ja gerne mal was ins Ohr bzw. den Gehörgang, ersatzweise auch gerne in eines der Nasenlöcher stecken), oder eben Schwimmer, dem kann das eventuell. tatsächlich egal sein. Für Schwimmer ist der Gehörgang aber durchaus interessant. Der tendiert nämlich je nach Wasserlandschaft und Schwimmart gerne mal mit Wasser vollzulaufen. Die meisten Menschen finden das ziemlich unangenehm. Wie wird man das Wasser im Ohr also wieder los? Es gibt verschiedene Problemlösungsansätze.

Möglichkeit eins, die in den meisten Fällen schon ausreichen dürfte ist es, den Kopf schräg zu halten und zu schütteln. Bei günstigem Gehörgangsverlauf, fließt das Wasser ab. Ist immer noch Wasser im Ohr, kommt Möglichkeit zwei zum Zuge. Die ganze Prozedur wird wiederholt, also Kopf schräg halten und schütteln aber nun zusätzlich dabei etwas auf der Stelle hüpfen. Ich nenne das „Headbangen im Schwimmbad“. Das sollte das Wasser im Ohr bei den allermeisten Menschen beseitigen. Falls nicht, gibt es noch Möglichkeit drei: man erträgt das blöde Gefühl, fasst sich in Geduld und schläft eine Nacht darüber. Am nächsten Morgen sollte das Ohr wieder frei sein.

Am besten ist es natürlich, wenn gar nicht erst Wasser ins Ohr hinein kann, zumal man das Ohr damit auch vor Keimen schützt, die in evtl. verschmutztem Wasser sein können (siehe z.B. „Grobe Verunreinigung„).

Wer gerne Schwimmkappe trägt, kann die Ohren damit etwas schützen und hat zudem einen Schutz des Kopfes bei Wind. Alternativ geht auch ein Neopren-Stirnband, das muss aber gut sitzen, sonst verrutscht es, und die Ohren liegen frei. Besser schützen z.B. aus Silikon gefertigte und allergiegetestete Ohrstöpsel, die das Ohr weitestgehend gegen das Wasser abdichten. Empfehlenswert sind z.B Zoggs Aqua Plugz.

Allerdings sind menschliche Ohren nicht normgleich, sondern es gibt individuelle Unterschiede, dass heisst, ein normaler Ohrstöpsel in sog. Standardgrößen dichtet u.U. eben nicht 100%ig ab. Wer also viel schwimmt und öfter Probleme damit hat, dass Wasser ins Ohr läuft oder überhaupt schneller zu Ohrentzündungen neigt, sollte evtl. überlegen, sich individuell angefertigte Ohrstöpsel zuzulegen. Die sind zwar teurer als die 0815-Stöpsel aber dann garantiert wasserdicht. Gleichzeitig ist man dann aber auch ziemlich taub und es kann je nach Produkt Auswirkungen haben auf den Gleichgewichtssinn. Dabei sollte man noch wissen, dass sich auch ein Ohr bei starker Gewichtsab- oder -zunahme verändern kann und in einem solchen Fall kann es passieren, dass ein individuell angefertigter Ohrstöpsel plötzlich nicht mehr 100%ig wasserdicht ist.

Für die allermeisten Schwimmer dürfte aber eine Runde Headbangen im Schwimmbad oder am Badesee völlig ausreichend sein. Frohes Headbangen also!

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Wie ich zur Outdoor-Schwimmerin wurde

Badestelle am See

Vor einigen Jahren hat es mich nach Mecklenburg-Vorpommern verschlagen. Ein Wassermensch bin ich schon immer gewesen aber bis dahin doch eher in Schwimmbädern unterwegs. Schwimmbäder gibt es in Mecklenburg-Vorpommern natürlich auch. Tatsächlich sind es eher »Bade-Oasen« als klassische Schwimmbäder. D.h. relativ viele eher kleinere Becken, die sich nicht wirklich zum Bahnenziehen eignen. Schon gar nicht, wenn es etwas voller wird, was besonders in der Hauptsaison der Fall ist, wenn jedes Jahr ansteigende Touristenmassen im Land einfallen.

Alternativ gibt es hier aber Seen über Seen. Fast jedes kleine Dorf verfügt über einen mehr oder weniger großen See. Auch unser Dorf hat seinen eigenen See, der wegen seiner erhaltenen Natürlichkeit plus guten Größe plus bester Wasserqualität einen guten Ruf in der ganzen Gegend hat. 98% der Besucher bleiben allerdings in Ufernähe, so dass man als Schwimmer den Rest des Sees fast vollständig für sich hat.

Im ersten Sommer beäugte ich den See noch mit einer guten Portion Misstrauen. Ich meine, wer weiß, was da so alles rumschwimmt, in diesem See?! Fische ja schon mal auf jeden Fall, und da weiß man nicht so genau was die, wenn sie nur hungrig genug sind, mit einem anstellen! Aber auch anderes Getier tummelt sich natürlich in so einem Gewässer (z.B. schwimmende Schlangen, was ich aber zum Glück erst nach einigen Jahren sah!).

Andererseits, reizte mich das kühle Nass aber auch. Der Tag kam, an dem ich vorsichtig dann doch mal das Experiment wagte, und das war der Beginn meines Outdoor-Schwimmerinnen-Daseins. Inzwischen freu ich mich immer schon auf den Sommer, weil ich dann endlich wieder im See schwimmen kann. Hin und wieder beschleicht mich immer noch für Momente ein diffuses Unbehagen aber dann gelingt es mir, es zu verdrängen und mich lieber wieder auf die positiven Dinge zu konzentrieren. Auch andere Seen hier in der Umgebung habe ich mir inzwischen schon »erschwommen«. Was für ein herrlicher und vor allem kostenloser Luxus!

Kacheln zählen kann ich beim Schwimmen im See natürlich nicht, alternativ kann ich Bäume oder Wasservögel zählen, was auch schön ist. Bei einer See-Länge von 730 Metern und einer See-Breite von 370 Metern (Seetiefe bis zu 10 Meter) kann ich wunderbar meine Bahnen ziehen, je nach Tagesform. Bei mir fremden Seen bin ich immer noch etwas zurückhaltender, besonders, wenn sie flacher sind und es ordentlich Unterwasserpflanzen gibt. Das mag ich nämlich gar nicht, wenn da was an meinem Körper entlang streicht, und ich weiß nicht, was!

Schwimmen im See

Es ist wunderbar, wenn ich den See durchschwimme und ein oder zwei Haubentaucher begleitet mich mit etwas Sicherheitsabstand. Oder Familie Blässhuhn zieht an mir vorüber. Vater vorneweg, Mutter hinterher, evtl. ein oder zwei der Küken auf dem Rücken und dann noch zwei oder drei weitere Küken, die vorwitzig in meine Richtung paddeln, bis sie zurückgepfiffen werden. Oder auf dem Rücken schwimmend zuschauen, wie die Fisch- und Seeadler hoch über mir ihre Kreise ziehen.

Wenn ich im See schwimme, bin ich ganz bei mir. Mehr als irgendwo sonst. Ich kann loslassen, mich selbst, meine Ängste, Selbstzweifel, Ärger, Stress und was mich sonst alles gerade kopfmässig beschäftigt und das ist meist (zu) viel.
Ich liebe es, wenn es still wird in meinem Kopf und ich nur noch spüre. Meinen Körper, der durch das Wasser gleitet, das Wasser, das an meinem Körper perlt, den Wind der über meine Haut streicht.
Schwimmen im See, das ist eine Zuflucht für mich, ein Rückzugsort, an dem ich eine Pause nehmen kann von all den Eindrücken, die sonst auf mich einprasseln. Wenn ich ans Ufer zurückkehre bin ich innerlich geklärt und aufgeräumt, kann ich wieder freier atmen, bin mir selbst wieder ein ganzes Stück näher.

Die Bank am See

Ansonsten vertrete ich ja die Ansicht:
Wer Literatur (Bücher) und Schwimmen als feste und regelmäßige Bestandteile in sein Leben integriert hat, der ist auf eine sehr spezielle Weise ein glücklicher Mensch, egal was ihm das Leben sonst noch austeilen mag.