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Elbeschwimmen 2014 – Die Version von @graftypo

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Am letzten Sonntag nahmen Miz Kitty und ich am 17. Elbeschwimmen in Dresden teil. Etwa 200 Meter vom Blauen Wunder entfernt ging es mit 1235 anderen Schwimmbegeisterten ins Wasser, und wir ließen uns ca. 3,5 km im Elbestrom treiben. Ich sage Ihnen: einfach herrlich und nachahmenswert. Miz Kitty schreibt ebenfalls in der Freistilstaffel über dieses Ereignis, so dass Sie gleich zweimal dazu lesen können.

Die Idee
Den Plan, an einem Elbeschwimmen teilzunehmen, habe ich schon etwas länger, genau seit einem Sommersonntag 2010. Miz Kitty und ich, wir waren uns damals noch nicht begegnet. Ich nahm – eben noch in anderer Lebenssituation – oft an Volkslaufveranstaltungen teil und fuhr zudem ausgiebig Fahrrad. So auch an diesem Sonntagnachmittag. Es sollte von Torgau bis kurz vor Meissen gehen, immer an der Elbe entlang. In Strehla wollten wir per Fähre auf die andere Seite übersetzen. Diese pausierte jedoch erst einmal eine Stunde.
Ein ganzer Pulk Menschen hüpfte hier gerade ins Wasser und schwamm mit dem Strom, um nach einigen hundert Metern stromabwärts wieder auszusteigen. Es war gerade das Elbeschwimmen in Strehla. Diese gut gelaunte Ost-Mischung von jung bis alt begeisterte mich als West-Kind der 70er. Unkompliziert stiegen sie alle in den Strom, dabei auch eine ganze Reihe, die die 70 schon überschritten hatten sowie Großeltern mit ihren Enkeln. Am liebsten wäre ich mitgeschwommen.

Vier Jahre später
Die nicht schwimmaffine Fahrradbegleitug vom Elberadweg wohnt längst in München. Miz Kitty hat einen festen Platz in meinem Leben eingenommen, und vor allem hat sie mich dazu gebracht, dass ich das Schwimmen wieder entdeckte. Ab und zu schwimmen wir längere Strecken. Freilich, da war doch die Erinnerung an dieses Elbeschwimmen. Im letzten Jahr hatte ich schon einmal danach gegooglet, wo es überhaupt ein Elbeschwimmen gibt. Aber es passte terminlich nicht.
Dieses Jahr jedoch, am 3. August, das ließ sich gut mit Urlaub und Arbeit vereinbaren. Dazu noch in Dresden, der Stadt, zu der Miz Kitty familiär eine besondere Beziehung hat. Also machten wir am letzten Wochenende im Gästehaus Loschwitz Station. Diese Unterkunft ist recht zentral an der Loschwitzer Elbseite in der Nähe des Blauen Wunders gelegen und vielleicht ein Tipp, falls Sie zum nächsten Elbeschwimmen eine Budget-Herberge im Elbflorenz suchen. Ein Vorteil ist nämlich, dass Sie den Start zu Fuß vom Gästehaus erreichen können.

Los geht’s
Sonntagmorgen, kurzes Frühstück, Badehose an. Kleine Tasche mitgenommen, in der später Hemd, Hose und Flipflops verstaut werden. Wir laufen über das Blaue Wunder zum Blasewitzer Ufer. Schon von der Brücke ist der Start zu erkennen. Da ist er wieder, dieser mir von vielen Volkslaufveranstaltungen wohl vertraute Klang des Megaphons. Der Veranstalter Dr. Dietrich Ewers erklärt die Einzelheiten des Elbeschwimmens. Klar, wenn der Schaufelraddampfer kommt, zur Seite schwimmen. Sonst »gibt’s Rippchen«, sagt er. Wir begeben uns in diesen Pulk der Schwimm- und Elbebegeisterten. Dazwischen einige kostümiert, z.B. zwei als Rockmusiker im roten und grünen Ganzkörperanzug verkleidete Herren mit aufblasbarer E-Gitarre. Die Stimmung ist wie Jahre zuvor in Strehla, einem anderen, weniger mondänen Elbort. Déjà-vu. Diese, ich nenne sie mal etwas ostige Unkompliziertheit, eben so ganz ohne Charlottenburger oder Prenzl’berger Verhaltensparadigmen. Der Bauch gehört wie selbstverständlich zur Badehose und auf die neueste Bademode achtet man sonstwo. Für Selbstdarsteller und eitle Menschen, die mit ihren Körperlichkeiten kokettieren, ist es nicht das richtige Event, dieses Elbeschwimmen. Das ist sehr gut so, das mag ich sehr.

Schwimmen, treiben, Blaues Wunder, schön wie Blankenese
Nach einem Obolus in die Spardose für Helfer und Organisation geht’s ins Wasser. Steinig, jedoch mit etwas Fußspitzengefühl kein Problem. Wir lassen uns treiben und schwimmen mit dem Strom. Dazwischen immer mal wieder kurz auf dem Rücken schwimmen und den genialen Blick auf das Blaue Wunder genießen. Links die Johannstädter Elbwiesen und rechts die Albrechtsschlösser mit Weinbergen und Villen am Hang. Herrlich.
3,6 Kilometer sind es vom Start bis zum Ziel, das am Fährgarten Johannstadt ist. Freilich, man muss keine 3,6 km schwimmen können. Man kann sich im Grunde genommen im Elbestrom treiben lassen und kommt zum Ziel. Alle schwimmen natürlich trotzdem etwas. Zweimal müssen wir auf die linke Stromseite, um entgegen kommende Ausflugsschiffe passieren zu lassen, eines davon ein traditioneller Elbe-Schaufelraddampfer. Und, Sie ahnen es schon, »Rippchen« gab es nicht.

Wer zu schnell schwimmt, den bestraft der Genuss.
Das Dresdner Elbeschwimmen ist ein Volksschwimmen ganz ohne Wettkampfcharakter. Verbissene Schwimmer mit nummerierten Badekappen suchen Sie hier vergeblich. Im Gegenteil. Als Miz Kitty und ich kurzzeitig etwas schneller wurden und einige Schwimmer überholten, zogen wir eindeutige Blicke auf uns, nach dem Motto: »Wie? Ihr wollt schneller schwimmen, dann könnt Ihr Landschaft und Atmosphäre doch nicht so lange genießen!« Richtig so. Wir reduzierten und schwammen langsam im Strom mit.
Zur Wasserqualität der Elbe in Dresden kann ich nichts negatives sagen. Klar ist jedoch, dass in einem fließenden Gewässer mit recht großer Strömung, das zudem von Schiffen befahren wird, immer etwas Schwebstoffe enthalten sind. Das ist ungefährlich und ganz normal, bedingt jedoch, dass das Wasser nicht gebirgsbachklar ist.

Bratwurst, Freibier, Sonnenliege
Am Fährgarten Johannstadt stieg der Schwimmer-Strom nacheinander aus dem Wasser. Schnell waren die per LKW zum Ziel transportierten Taschen gefunden und nach einer durch die Dresdner Wasserwerke bereitgestellten Freiluft-Dusche wurde die Badehose mit Zivilkleidung getauscht. Am Ziel fand gerade das Johannstädter Elbefest der Wohnungsgenossenschaft Johannstadt statt und alle Schwimmer bekamen Bratwurst und Freibier. Miz Kitty war ganz angetan von den Damen der Vietnamesischen Community und hat einige Fotos von ihnen, zusammen mit dem Veranstalter, gemacht.

Das 18. Elbeschwimmen
kommt bestimmt. Im Sommer 2015. Mein Tipp: Hinfahren, mitschwimmen, genießen. Vielleicht treffen wir uns im nächsten Jahr?

Sterne
Fünf von fünf.

Fotos
Leider sind es nur Handy-Fotos, aber die Stimmung wird ganz gut wiedergegeben:
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Von der Brücke (Blaues Wunder) sind sie schon zu sehen, die Elbschwimmer.

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Gleich sind wir auch dabei.

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Ein Blick vom Start Richtung Blaues Wunder (später aufgenommen)

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Vorbei an Schlössern und Weinbergen lassen wir uns im Strom treiben. Ein Elbdampfer kommt vorbei. (Bilder später aufgenommen)

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Blick vom Ziel auf Frauenkirche und Altstadt

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Erst einmal Freibier und Bratwurst

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Das Beweisfoto. Wir waren da und sind angekommen.

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Auch die Rockmusiker sind angekommen und erfreuen sich am Bier

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Volksfeststimmung mit Blick auf die Frauenkriche

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und natürlich…, Twitter und Facebook darf auf der Sonnenliege nicht fehlen.