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Schwimmen durch München: Das Schyrenbad

Für mich ist das Schyrenbad das nächstgelegene: Mit dem Fahrrad bin ich in 10 Minuten dort.
Für den Rest der Welt ist es das älteste Freibad Münchens mit bewegter Geschichte.

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Vor allem aber verfügt es über ein 50-Meter-Becken mit zwei abgeteilten Schwimmbahnen. Und die nutze ich gerne. Wenn die Temperaturen, wie heute, deutlich unter Badewetter liegen, ziehe ich mich im Gebäude mit den Spinden um und lasse alle Kleidung und alles Gepäck in einem der Spinde (Spindpfand ist eine 2-Euro-Münze oder die aufladbare Bäderkarte der Münchner Stadtwerke, die ich als Vielschwimmerin selbstverständlich besitze).

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Bei Badewetter lasse ich lediglich Geldbeutel und Hausschlüssel in einem der Minispinde gleich rechts vom Eingang und breite meine sonstigen Sachen auf einer Liegewiese aus.

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Ab ins Wasser. In der Mitte des Beckenrands sehen Sie einen mechanischen Aufzugstuhl, mit dem bewegungseingeschränkte Menschen ins und aus dem Wasser kommen. Allerdings muss ein zweiter Mensch kurbeln.

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Heute teilte ich mir die Bahn die meiste Zeit sehr entspannt mit anderen Schwimmern und Schwimmerinnen, erst auf den letzten 500 Metern irritierte mich ein Herr, der mich an einer Wende mit mächtiger Bewegung überholte, dann aber etwas langsamer schwamm als ich. In solch einem Fall wechsle ich meist einfach die Richtung, um dieser Schwimmeinheit möglichst lange nicht mehr zu begegnen.

Etwas wärmer war es geworden, doch immer noch weit von Badewetter entfernt. Ich duschte im Umkleidegebäude, zog mich in einer Umkleidekabine um, bemerkte, dass ich meinen Bikini in der Dusche vergessen hatte und holte ihn, nutzte einen der kostenlosen Föhns, um meine Haare zu trocknen (tief verwurzelte Überzeugung, dass ich mit nassen Haaren sofort krank werde).

Einen Kiosk hat das Schyrenbad schon auch, doch dort habe ich noch nie eingekauft.

Hier das Schwimbecken bei Badewetter von der gegenüberliegenden Seite (vor genau einem Jahr).

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Der Klemmstein von Vico

Seit Januar 2011 bade ich andauernd im Meer. Baden statt schwimmen. Mich interessiert weniger das Wasser als das Litoral, die Saumbereiche zwischen Erde und Wasser. Schwimmen ist eher Mittel zum Zweck. Das Meer hinter dem Litoral ist sowieso Nirvana.

Es geschieht im Oktober 1902. Das ist natürlich ausgedacht, es könnte auch 1802 oder 2002 sein. Die überhängende Rückwand der Schlucht zeigt Schwächen. Erst ist es nur ein Riss, dann ein Spalt, dann eine Lücke. Dann löst sich ein kühlschrankgroßer Stein vom Felsen. Die Schwerkraft ist stärker als die Anziehung der Kristalle, aus denen der Stein besteht. Der Stein fällt. Er kommt nicht weit. Nach fünf Metern verkeilt er sich zwischen den Wänden der Schlucht, die nach unten zusammenlaufen. Der Stein klemmt fest.

Es war so einfach, ihn zu ignorieren. Ein Jahr lang schwamm und kletterte ich um ihn herum, ohne, dass er mir auffiel. Zwar sah ich die meterhohen Klippen aus Granit. Ich sah auch die tiefen Spalten zwischen den Granitblöcken. Das Rinnsal, das über den Pfad läuft und dann, auf dem Weg ins Meer, zwischen den Felsen versickert. Die Napfschnecken an den nassen Steinen. Die Risse und Stufen im Granit. Nur den Klemmstein sah ich jahrelang nicht, obwohl er direkt vor meinen Augen war.

Im “Hitchhiker’s Guide to the Galaxy” erfindet Douglas Adams das “PAL”-Feld, eine Methode, ein großes Objekt verschwinden zu lassen, ohne es wirklich verschwinden zu lassen. Man macht es zu einem PAL, einem Problem anderer Leute. Der Klemmstein ist eindeutig nicht das Problem der allermeisten Leute, wenn es andere Leute gibt, deren Problem er ist, dann muss ich sie noch finden. Selbst Jim, der zu jedem Grashalm an der Badestelle eine persönliche Beziehung hat, nahm den Klemmstein nicht einmal zur Kenntnis, als ich darauf zeigte und laut “da, ein Klemmstein” sagte. Ich musste es dreimal sagen.

Als ich den Stein einmal bemerkt hatte, konnte ich nicht mehr wegsehen. Es war ganz offensichtlich, welche Aufgabe ich lösten musste. Es galt, auf dem Klemmstein zu stehen. Es ist keine leichte Aufgabe, aber auch keine unlösbare. Sie korrespondiert einwandfrei mit meinen Fähigkeiten. Im Vergleich zu den anderen Badenden sind meine Kletterfähigkeiten relativ beeindruckend, im Vergleich zu richtigen Kletterern jedoch eher erbärmlich. Dasselbe kann man über meine Risikobereitschaft sagen. Der Klemmstein ist genau so angebracht, dass er die meisten anderen unmöglich, für echte Abenteurer langweilig, für mich jedoch herausfordernd ist.

Ein Beobachter auf dem Stein befindet sich in einer bemerkenswerten Position. Der Eingang zur Schlucht liegt direkt gegenüber der Ebbeleiter, drei, vier Schwimmstöße entfernt. Der Klemmstein selbst ist nur von einer einzigen Stelle der Badestelle sichtbar, vom vordersten Ende des Steges, allerdings nur, wenn man sich ein wenig vorbeugt. Selbst wenn die Badestelle voll ist mit nackten Menschen, auf dem Klemmstein bliebe man unbemerkt. Mehr noch – vom Stein aus sind Orte sichtbar, die man ansonsten gar nicht betrachten kann. Man steht direkt vor dem Hinterende der Schlucht, das überdacht ist und daher eher ein Loch ist als eine Schlucht. Ein tiefes, dunkles, nasses Loch. Verborgen zu sein und Verborgenes sichtbar zu machen, das ist das Karma des Klemmsteins.

Die Bezwingung des Klemmsteins: eine Aufgabe mit zwei sehr unterschiedlichen Lösungswegen. Bei Ebbe ist der Stein nur durch Klettern zu erreichen. Die Schlucht ist fast trocken, ihr Boden sichtbar, der Klemmstein mehrere Meter in der Luft.   Man muss von oben in die Schlucht hineinsteigen, sich an ein paar Vorsprüngen hinuntertasten, bis man auf dem Klemmstein steht. Nachteil: Man kann abrutschen und am Boden zerschellen. Wahrscheinlichste Todesart: Genickbruch.

Bei Flut stellt sich das Problem völlig anders da. Der Stein ist jetzt bis zur Oberkante mit Wasser bedeckt, die Wände der Schlucht nass, klettern zu riskant. Stattdessen kann man zum Stein schwimmen. Nachteil: Die Schlucht ist zu eng für Schwimmbewegungen. Außerdem verstärkt sie die Wellen, selbst bei geringer Dünung entstehen in der Schlucht meterhohe Wasserberge. Wahrscheinlichste Todesart: Würdeloses Ertrinken.

Ich erreiche den Stein genau zweimal bei Flut und einmal bei Ebbe. Für die Nachwelt empfehle ich die Flutbesteigung. Man benötigt einen sehr ruhigen, warmen Tag, vielleicht im Sommer oder Herbst, am besten bei Voll- oder Neumond, damit die Flut schön hoch steht. Solche Tage sind selten, aber wenn man einen findet, ist der Klemmstein ein Kinderspiel. Zwei, drei Planschbewegungen in der Schlucht, dann ein halber Klimmzug, und fertig.

Ein anderes Mal klettere ich hinunter. Es ist spät am Abend, niedrige Ebbe, niemand außer mir an der Badestelle. Das Problem: Ich komme nicht wieder raus. Die Wände der Schlucht sind glatt und nass, die wenigen Griffe und Tritte zu hoch. Eine Weile stelle ich mir, auf dem Klemmstein zu warten, bis die Flut zurückkommt, sechs Stunden lang, bis tief in die Nacht hinein. Käfer so groß wie mein Daumen krabbeln um mich herum. Liga oceanica, die Klippenassel, oder auf englisch der Kakerlake des Meeres. Schließlich benutze ich eine Napfschnecke als Fußtritt. Sie hält lang genug, um den nächsten Griff zu erreichen, bricht dann aber unter meinem Gewicht ab. Den Angehörigen der Napfschnecke möchte ich noch mitteilen, dass es mir leid tut.

Vom Klemmstein aus gibt es viel zu sehen. Das Loch am Ende der Schlucht ist eindeutig mehrere Meter tief, es reicht bis unter den Pfad. Wasser topft aus dem Überhang, aus den Wänden, aus dem Loch selbst. Die Schlucht ist selbst an warmen Sommertagen kalt und nass. In absehbarer Zeit wird das Dach der Schlucht nachgeben und einstürzen. Der gesamte Abhang, der auf den Klippen ruht, wird abrutschen. Es kann jede Minute passieren, der geologische Zeitpfeil ist unmissverständlich. Der Tag wird in die Geschichte eingehen als “der große Erdrutsch von Vico”. Die Welt wird nicht mehr dieselbe sein. Ich kann es kaum erwarten.

Die Amerikaner haben es geschafft, insgesamt zwölf Männer auf dem Mond zu schicken. Zwölf Männer standen auf dem Felsen, der 384000 Kilometer von der Welt entfernt ist. Außer mir stand kein einziger Mensch je auf dem Klemmstein, der nur drei Meter von der Welt entfernt ist. Jedenfalls werde ich das behaupten.

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Schule machen

Wenn die meisten von uns heute übers Schwimmen reden, dann meinen wir die freiwillige Bewegung im Wasser, in unserem eigenen Tempo.

Aber – das war nicht immer so. Während meiner Grundschulzeit war das schulische Schwimmbecken gleich hinter der kleinen Bibliothek mein Lieblingsort der Erziehungsanstalt. Hier war ich nämlich die verdammte Königin der Bahn.

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Aber lassen Sie mich ausholen:
Ich bin unsportlich. Und ich habe einen kaputten Nerv im rechten Bein. Sportunterricht haben sich die Höllenhunde ausgedacht, Leichtathletik ist gegen die Menschenwürde und wenn ich nochmal im Leben eine Kugel irgendwohin schmeißen muss, werfe ich sie auf denjenigen, dessen Idee das war.

Es war eine glückliche Fügung, dass meine erste Grundschule ein eigenes Becken und ich bis zu meinem 13. Lebensjahr kein Gefühl von körperlicher Unzulänglichkeit hatten. So fand ich mich einmal die Woche während des Unterrichts als auch regelmäßig in meiner Freizeit dort wieder und sammelte Kilometer. Die Bahn war nur 25 Meter, aber ich verbrachte halbe Tage darin. Mit bemerkenswerter Stoigkeit für eine 10jährige und damals schon der Freude am Alleinsein arbeitete ich an meiner Kraul-Technik und aß danach Streichwurstsemmeln mit Butter drunter.

Das verschaffte mir am Ende der vierten Klasse einen der besten Zeugnistage meines Lebens: Wie alle anderen auch, ging ich nach vorne zur Lehrerin, holte mir meinen Wisch ab und wollte schon wieder gehen, als sie mich zurück rief. Sie blätterte durch einen Papierstapel und händigte mir schließlich eine echte, gestempelte und unterschriebene Ehrenurkunde aus.

Eine Ehrenurkunde.
Für sportliche Betätigung.
Meine sportliche Betätigung.

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Es stellte sich heraus, dass niemand an der Schule schneller geschwommen war. Kein Junge. Niemand aus den beiden Jahrgangsstufen über mir.

Kein Einser dieser Welt hätte mich in dem Moment glücklicher machen können. Die moppelige Brillenträgerin mit dem komischen Gang besaß den Beweis für ihre Sportlichkeit jetzt schwarz auf weiß.

Die Existenz dieser Urkunde zählt bis heute zu den ganz wenigen Dinge, auf die ich stolz bin. Nicht, weil ich mich besonders dafür angestrengt habe. Sondern, weil ich sie für etwas bekommen habe, das ich entsetzlich gerne tue. So sollte das viel öfter sein.

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Schwimmerinnen

Indica merkte an, dass sie kaum Frauen auf den ernsthaften Schwimmbahnen sieht:

Es ist nämlich auffällig, in etwa einer 70:30er-Relation, dass meist Männer sportiv in den Schwimmerbahnen unterwegs sind.

Ihr Erklärungsversuch:

Ich habe den Verdacht, dass es sich um ein dem Gerätetraining in der Muckibude artverwandtes Phänomen handelt. Dort wird geschwitzt, geschindert und geächzt; es ist nicht vornehm, smalltalk- und teatimekompatibel, wenn es mich fordert und etwas bringen soll. Was richtig Kraft und Anstrengung erfordert, ist nicht clean, sondern immer etwas animalisch, schwitzig und kompetitiv und sei es nur mit mir selbst. Ich habe den Eindruck, dass das nicht so viele Frauen mögen – richtig reinhauen, die eigene Kraft spüren und eher wild und ekstatisch als anmutig und gemäßigt sein.

Frau Nessy hat sich ebenfalls dazu Gedanken gemacht:
Sportive Frauen, die durchs Wasser pflügen
Animalische Anstrengung

Erst dadurch ist mir bewusst geworden: Die Geschlechterrelation hat sich in den vergangenen Jahren verändert.

Meine erste intensive Schwimmphase fiel in mein Studium. Zwischen 1990 und 1993 schwamm ich in der Hallenbadsaison ein- bis zweimal wöchentlich 2000 Meter (danach abgelöst von Aerobics). Und damals waren Frauen und Rentner ganz klar die Mehrheit im Augsburger Spickelbad, unter den Frauen auffallend viele deutlich über Konfektionsgröße 38. Schwimmen schien eine Bewegungsform für Menschen, denen das halt Spaß machte. Dicke, bewegungsfreudige Menschen konnten sich im Hallenbad unbehelligt austoben. Denn Schwimmen war etwas ganz Persönliches, etwas Wohltuendes, aber einen ehrgeizigen oder gar kompetitiven Sportaspekt hatte Freizeitschwimmen nicht.

Jetzt, auf den Schwimmbahnen Münchner Bäder, sind tatsächlich Männer in der Überzahl. Ihnen und den deutlich weniger Frauen sieht man mit wenigen Ausnahmen an, dass das für sie „Training“ ist. Ein Symptom: Viele schwimmen mit Spielzeug – Handschaufeln, Fußflossen, Schwimmflügerl für zwischen die Beine, Wasserwachtbretterl. Schwimmen, so scheint es, ist cool geworden, ein Hobbysport mit Zielen, mit Prestige-erzeugendem Zubehör. Anders betrachtet: Schwimmen ist heute ein Markt, auf dem sich etwas verkaufen lässt.

Und in ernsthaftem und vermarktbarem Sport mit Wettbewerbshintergrund, in dem Konkurrenz herrscht, in dem man einander vergleicht und beobachtet, überwiegen automatisch die männlich Sozialisierten (siehe Joggen, Radeln, Tennis).

Nun kann ich nicht beurteilen, ob das einfach der Unterschied zwischen Provinzbad und Metropolenbecken ist. Beobachten Kleinstadtschwimmerinnen dasselbe Phänomen?

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Mit Delfinen schwimmen

Ich hatte es nicht so mit Pferden. Ich war ein Delfinmädchen und wollte Meeresbiologin werden (und Pilotin, Schauspielerin, Opernsängerin, Hotelmanagerin, Pfarrerin, Bundeskanzlerin und vieles mehr). Ich stellte mir vor, dass Meeresbiologinnen jeden Tag mit Flipper und seinen Freunden schwimmen und dabei bahnbrechende Forschungsergebnisse über das soziale Miteinander der Tümmler herauszufinden.

Mit den Jahren erweiterte sich mein Meeressäugerinteresse bis hin zu Walfischen. Dies manifestierte sich unter anderem im Kauf einer Walgesangs-CD im Greenpeace-Fanshop, die ich aber nie vollständig gehört habe.

Da ich lange Jahre Delfinshows verweigerte, ergab sich allerdings erst in meinem 17. Lebensjahr die Gelegenheit, echte Delfine aus nächster Nähe zu sehen.

Mit einer Gruppe methodistischer Jugendlicher – ich besuchte diese Kirche, weil der Vater einer amerikanischen Schulfreundin dort Pastor war und es sich um eine relativ liberale Kirche handelte – reiste ich eine Woche nach dem Springbreak nach Panama City Beach. Dort ist es heiß, staubig und wenig schön. Aber das war egal, denn ich wusste, am dritten Tag würden wir im Meer mit wilden Delfinen schwimmen gehen.

Ich malte mir aus, wie zwei Delfine jeweils mit ihrer Nase unter eine meiner Fußsohlen schwimmen, mich aus dem Wasser drücken und ich mit ihrer Hilfe über den Meeresspiegel rausche. Mir war klar, das brauchte sicher mehr Zeit als eine 30-minütige Schnorcheltour. Aber ich war mir sicher, die wilden Delfine würden neugierig und zutraulich auf uns zukommen, sich streicheln lassen und allerlei Schabernack mit uns treiben.

Mit einem Boot fuhren wir an eine Stelle nah der Küste. Das Meer war kristallklar, warm und auf dem Grund konnte man den weißen Sand sehen. Wir nahmen unsere Schnorchel und sprangen ins Wasser.

Es gab tatsächlich sehr viele Delfine an dieser Stelle. Gleichzeitig kamen auf jeden Delfin etwa zwei Motorboote mit wesentlich besser vorbereiteten Menschen als wir.

Während wir uns einzig auf den angeblichen Spieltrieb der Delfine und die Anziehung unsere jugendlichen Begeisterung verließen, hatten die anderen Touristen Fisch mitgebracht.

Delfine sind sehr kluge Tiere. Sie haben keine Lust, mit Jugendlichen zu schwimmen und zutrauliche Idioten zu spielen. Sie wollen ihre Ruhe, unter sich bleiben und ab und an einen guten Happen Fisch.

Ich änderte meine Strategie und lauerte den Delfinen in der Nähe der Boote mit Fischbelohnungen auf. So schwammen tatsächlich zwei Tiere ganz dicht an mir vorbei. Bis heute bilde ich mir ein, dabei einen der Delfine kurz berührt zu haben.

Schlussendlich beendete dieses ernüchternde Treffen von zwei Spezien im Wasser mein Meeresforschervorhaben. Auch in Anbetracht meiner Angst davor, tief zu tauchen, sicher eine kluge Entscheidung.

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3000 Meter Sonnenbaden

Seit einigen Jahren nutze ich sommers die Münchner Freibäder für meine Schwimmerei. Das müsste ich nicht, denn die Hallenbäder sind in dieser reichen Stadt auch in den Sommermonaten geöffnet. Doch seit ich entdeckt habe, dass es in München nicht nur erstaunlich viele Freibäder gibt, sondern darin erstaunlich viele 50-Meter-Becken und darin wiederum einige abgeteilte Schwimmbahnen, ignoriere ich das sonst so geschätzte Olympiabad zwischen Mai und September.

Doch da mag ich noch so sehr Abitur haben und Mag.art. sein: Dass man sich bei Sonnenschein fürs Schwimmen im Freien besser mal mit hochfaktorischer Sonnencreme schützen sollte, musste ich erst durch einen schmerzhaften Sonnenbrand vor zwei Jahren lernen. Der mir gleichzeitig die Ganzkörperanzüge anderer Freibadschwimmerinnen erklärte.

Seither lasse ich mir den Rücken daheim ordentlich eincremen und hole mir über die Sommerwochen beim Schwimmen sanft weiße Streifen. Und zwar seit diesem Jahr vom Bikini, jawohl. Ein Oberteil mit Bügeln und Nackenhalter verrutscht nämlich auch beim Kraulen nicht, und die Bikinihose habe ich mir im Winter von der Änderungsschneiderin eng genug machen lassen, dass ich sie auch beim energischen Schwimmen nicht verliere.

Nach dem zweiten Sonnenschwimmen im Schyrenbad bemerkte ich allerdings verwundert, dass sich der Bikini auch auf meiner Vorderseite abzeichnete, die ich gar nicht in die Sonne gehalten hatte. Beim nächsten Schwumm achtete ich auf die Ursache: Der Boden des Schwimmbeckens im Schyrenbad besteht aus Metall und reflektiert lustig flackernd die Sonnenstrahlen – allerdings wohl so stark gefiltert, dass sie mich auch ohne Sonnenmilch nicht verbrennen. Sonnenbaden in Bahnen, sehr großartig.

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Headbangen im Schwimmbad

Preisfrage: Was hat eine Breite von ca. 2,5 Zentimetern und zwei Windungen?

Der menschliche Gehörgang. Und hätten Sie’s gewusst? Sie fragen sich jetzt vielleicht, wieso man das wissen muss. Naja, wer nicht gerade Hals-Nasen-Ohrenarzt ist, Vater oder Mutter kleiner Kinder (die sich ja gerne mal was ins Ohr bzw. den Gehörgang, ersatzweise auch gerne in eines der Nasenlöcher stecken), oder eben Schwimmer, dem kann das eventuell. tatsächlich egal sein. Für Schwimmer ist der Gehörgang aber durchaus interessant. Der tendiert nämlich je nach Wasserlandschaft und Schwimmart gerne mal mit Wasser vollzulaufen. Die meisten Menschen finden das ziemlich unangenehm. Wie wird man das Wasser im Ohr also wieder los? Es gibt verschiedene Problemlösungsansätze.

Möglichkeit eins, die in den meisten Fällen schon ausreichen dürfte ist es, den Kopf schräg zu halten und zu schütteln. Bei günstigem Gehörgangsverlauf, fließt das Wasser ab. Ist immer noch Wasser im Ohr, kommt Möglichkeit zwei zum Zuge. Die ganze Prozedur wird wiederholt, also Kopf schräg halten und schütteln aber nun zusätzlich dabei etwas auf der Stelle hüpfen. Ich nenne das „Headbangen im Schwimmbad“. Das sollte das Wasser im Ohr bei den allermeisten Menschen beseitigen. Falls nicht, gibt es noch Möglichkeit drei: man erträgt das blöde Gefühl, fasst sich in Geduld und schläft eine Nacht darüber. Am nächsten Morgen sollte das Ohr wieder frei sein.

Am besten ist es natürlich, wenn gar nicht erst Wasser ins Ohr hinein kann, zumal man das Ohr damit auch vor Keimen schützt, die in evtl. verschmutztem Wasser sein können (siehe z.B. „Grobe Verunreinigung„).

Wer gerne Schwimmkappe trägt, kann die Ohren damit etwas schützen und hat zudem einen Schutz des Kopfes bei Wind. Alternativ geht auch ein Neopren-Stirnband, das muss aber gut sitzen, sonst verrutscht es, und die Ohren liegen frei. Besser schützen z.B. aus Silikon gefertigte und allergiegetestete Ohrstöpsel, die das Ohr weitestgehend gegen das Wasser abdichten. Empfehlenswert sind z.B Zoggs Aqua Plugz.

Allerdings sind menschliche Ohren nicht normgleich, sondern es gibt individuelle Unterschiede, dass heisst, ein normaler Ohrstöpsel in sog. Standardgrößen dichtet u.U. eben nicht 100%ig ab. Wer also viel schwimmt und öfter Probleme damit hat, dass Wasser ins Ohr läuft oder überhaupt schneller zu Ohrentzündungen neigt, sollte evtl. überlegen, sich individuell angefertigte Ohrstöpsel zuzulegen. Die sind zwar teurer als die 0815-Stöpsel aber dann garantiert wasserdicht. Gleichzeitig ist man dann aber auch ziemlich taub und es kann je nach Produkt Auswirkungen haben auf den Gleichgewichtssinn. Dabei sollte man noch wissen, dass sich auch ein Ohr bei starker Gewichtsab- oder -zunahme verändern kann und in einem solchen Fall kann es passieren, dass ein individuell angefertigter Ohrstöpsel plötzlich nicht mehr 100%ig wasserdicht ist.

Für die allermeisten Schwimmer dürfte aber eine Runde Headbangen im Schwimmbad oder am Badesee völlig ausreichend sein. Frohes Headbangen also!

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Vom Blindfischen und vom Zu-viel-Sehen

Beim heutigen sonntäglichen Schwumm in der Seydlitzstraße hab ich besonders kritisch unter Wasser geguckt. Weil: Letztes Mal hatten wir ja Grobe Verunreinigung und ich sage Ihnen, Sie möchten nicht sehen, was ich in einem Eimer und noch vor Betreten des Beckens erblicken musste und was uns das letztwöchige Schwimmen unmöglich machte.

Ich war also heute mit Controlettiblick unter Wasser unterwegs. Die Lippen wie mit Silikon versiegelt, streng auf Nasenatmung bedacht. Was mag mir da entgegentrudeln? Oder unter mir herumdümpeln? An Haarballen oder Klopapierreste bin ich seit jeher gewöhnt. Haargummis gehören ebenfalls zum Standard. Oder Steinchen.

Die Crux ist ja: Ich bin eigentlich totaler Blindfisch und ohne Brille hilflos. Aber nur an Land. Denn mit frisch antigefoggter Schwimmbrille ist die Brechung unter Wasser im Becken tadellos. Zumindest so lange, bis der erste Nebelschleier wieder gnädig aufzieht.

Immerhin muss ich nicht, wie an einem anderen Ort, an dem ich eine Weile lebte, turtelnde Paare am Beckenrand des weit und breit einzigen Hallenbades sehen. Nichts gegen Paarsamkeit, meinethalben auch im Wasser, aber bitte nicht vor meinen Augen. Ich glaube, Menschen ohne Schwimmbrille und mit dem Kopf über Wasser haben keine Ahnung davon, WIE gut man unter Wasser sehen kann! Immerhin sind die Verschlungenen deutlich angenehmer anzusehen als Treibgut, das üblicherweise in Körperöffnungen hinein oder im Körperinneren aufbewahrt gehört, welches aber laut Auskunft von Bademeistern zu den üblichen Fundstücken im Wasser zählt.

Nach dem letztwöchigen Erlebnis frage ich die Kassendame, wie das denn so gekommen sei, mit der, pardon, Kackwurst im Schwimmerbecken. Den empfindlicheren Naturen unter Ihnen rate ich nun dezidiert, den nächsten Satz lieber NICHT zu lesen: Fragen Sie mich was Leichteres. Wir finden diese Dinge fast immer im Schwimmerbecken, kaum einmal im Kleinkinderbecken nebenan.

Es ist deprimierend. Und es steht offenbar schlimm um das Hygiene- und Sozialverhalten des gemeinen Schwimmbadbesuchers, der da offenkundig mit Absicht tut, was sich nicht gehört und nicht nur den Mitschwimmern Unbill sondern auch den Badmitarbeitern viel Arbeit verursacht.

Dabei genieße ich normalerweise das Gucken sehr, denn gerade in solchen Schwimmschwimmbädern mit 50-Meter-Bahnen und kaltem Wasser finden Sie meist gut trainierte, appetitlich anzusehende Männer in den Echtschwimmerbahnen. So auch im Stadtbad Tiergarten. Seit da einige schicke Hostels rund um den Hauptbahnhof erbaut wurden, macht das Unterwassergucking noch mehr Spaß: Viele durchtrainierte Jungmänner internationaler Herkunft tummeln sich dort. Jetzt, kurz vor dem Ende der Sommerferien besonders auch braun gebrannte. Das ist schon schön anzuschauen; so ein Schwimmerkreuz im klassischen V-Look in gut sitzender Badehose, das macht echt was her. Da gerät frau ins Seufzen und das natürlich vergeblich, denn für diese sportiven Jungmänner bin ich allenfalls eine schlurfige alte Schwimm-Oma kurz vor der Prilblumen-Gedächtnis-Badekappe.

Ja, und wenn Sie sich nun fragen Wo sind denn all die sportiven Frauen, die durchs Wasser pflügen? So mindestens im Namen der Gender-Gerechtigkeit?, da kann ich Ihnen nur antworten: Ich weiß es nicht. Es ist nämlich auffällig, in etwa einer 70:30er-Relation, dass meist Männer sportiv in den Schwimmerbahnen unterwegs sind. Vielleicht liegt es ja auch an der sonntäglichen Kaffeetrinkzeit, zu der ich schwimmen gehe? Ich habe keine Ahnung.

Ich habe den Verdacht, dass es sich um ein dem Gerätetraining in der Muckibude artverwandtes Phänomen handelt. Dort wird geschwitzt, geschindert und geächzt; es ist nicht vornehm, smalltalk- und teatimekompatibel, wenn es mich fordert und etwas bringen soll. Was richtig Kraft und Anstrengung erfordert, ist nicht clean, sondern immer etwas animalisch, schwitzig und kompetitiv und sei es nur mit mir selbst. Ich habe den Eindruck, dass das nicht so viele Frauen mögen – richtig reinhauen, die eigene Kraft spüren und eher wild und ekstatisch als anmutig und gemäßigt sein.

Nun, falls Sie eine Erklärung für das Eine oder das Andere haben, lassen Sie es mich wissen. Ich habe ein Erkenntnisinteresse. In beiden Angelegenheiten.

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Grobe Verunreinigung

Es gibt ja so Dinge, da glaubt man, die gibt es gar nicht. Die Schwimmfreundin und ich stehen gerade vor dem sonntäglichen Schwumm in der Dusche, da … krchz … krchz … kommt die Durchsage durch den Lautsprecher: Wegen einer gr… krchz …ben krrrrchz … reinigung wird das Bad geschlossen. Krrrrchz … Bitte verlassen … krrrchz unverzüglich das Schwimm … krrrrchz … cken und begeben Sie sich … krrrchz … Aus … krrchz … ng.

Kein Wort verstanden, eine Ahnung davon, dass das Becken geräumt wird. Schwimmfreundin und ich gehen zum Schwimmmeister; der zeigt auf den Inhalt eines Eimers: Wegen dieser groben Verunreinigung da schließen wir jetzt das Schwimmbecken. Muss alles gereinigt werden.

Börps, da sahen wir, was wir gar nicht so genau sehen wollten.

Mal ganz ehrlich: Wer kackt da einfach in ein Schwimmbecken? Die kleinen Kinder, denen so was vermutlich noch passieren könnte, die sind doch eher im komplett abgetrennten Kleinkinderbereich zu finden, oder? Ich habe nicht die geringste Ahnung, wie so was passieren kann und der gute Augenblick, um die nicht minder genervten Bademeister mit Kescher und Eimer zu interviewen, war es auch nicht.

Tja, waren wir mal zum Duschen pur im Stadtbad Tiergarten und meine Laune ziemlich unterirdisch, hatte ich mich doch bei der schwülen Hitze auf meine zwei Kilometer bei auskömmlichen 27 Grad Wassertemperatur und auf die 50-Meter-Bahnen gefreut.

Jedoch: Man kann es halt nicht zwingen. Wenigstens ein Freiticket gab es für die Nonsens-Aktion zurück. Nur die Parkplatzgebühr, die konnten wir intern und gefühlt mit dem Gratisduschen verrechnen; das ist ein anderer Betreiber, das sind nicht die Berliner Bäder Betriebe, da gab’s nix retour.

Oder betrachten wir es philosophisch wie die Schwimmfreundin: Mensch, gut, dass wir noch nicht im Wasser waren, als die Durchsage kam. Wo sie Recht hat, hat sie Recht.

Erstveröffentlicht am 3. August 2014, während hier noch das Wasser eingelassen wurde, bei Frau Indica.