Schwimmen durch München: Sommerbad Georgenschwaige

Es ist August, und ich mache mich nochmal zu einem Freibadschwumm auf – ich weiß, dazu muss man schon ein harter Hund sein, doch ich sehe mich im Team Pippi, nicke innerlich den Eischwimmerinnen in Wladiwostok zu und radle mit einem piratischen HARRRRRR! hinaus nach Schwabing (was für ein Dreckssommer).

Über das Sommerbad Georgenschwaige hatte ich gelesen, es sei ein sehr schlichtes Bad und werde deshalb vor allem von Schwimmern genutzt. Müsste also genau meine Kragenweite sein.

140823_Georgenschwaige_2

Bei meiner Ankunft (es gibt einen eigenen, großen Fahrradparkplatz) ist das Kassenkämmerchen unbesetzt. Doch ein Herr in blauer Latzhose und schwimmbadgrünem Stadtwerke-Polohemd, der gerade mit Gerät beschäftigt ist, sieht mich und eilt herbei. Er lädt meine Bäderkarte mit frischem Geld auf und erklärt mir in freundlichem Bayrisch sowohl die Lage der verschiedenen Einrichtungen als auch, dass ich für den Spind eine Euromünze brauche.

Die Georgenschwaige hat ein luftiges Gebäude mit Schönwetterumkleiden und ein rundum verglastes mit Sammelumkleide und Duschen, das gerade auf Temperaturen geheizt ist, als müsse man tatsächlich Wladiwostoker Eisschwimmerinnen aufwärmen.

140823_Georgenschwaige_8

140823_Georgenschwaige_9

Als Münchnerin bin ich gewohnt, dass öffentliche Einrichtungen gepflegt sind und funktionieren. Deshalb verdutzt mich sehr, als ich Kleidung und Duschausstattung zweimal versetzen muss, bis ich einen unkaputten Spind habe.

140823_Georgenschwaige_3

Das Becken ist gemauert (also kein Kachelzählen möglich), die wenigen Nutzerinnen und Nutzer kennen einander offensichtlich: Es wird gegrüßt und geratscht. Die Zusammensetzung erinnert mich an die Schwimmerlebnisse während meines Studiums: Hauptsächlich Rentner und Rentnerinnen jeglichen Formats. Doch das scheint mit der Auslegung des Schwimmbeckens zu tun haben: Es ist zwar 50 Meter lang, doch es gibt keine abgeteilte Bahn, trainierende Sportschwimmer wird man hier wohl nicht sehen. Dennoch kann ich problemlos Bahnen schwimmen, die meiste Zeit sind wir unter sich verdüsterndem Himmel zu zweit oder zu dritt im Wasser. Nur gegen Ende muss ich auf einen Herrn achten, der beim gemächlichen Froschrückenschwimmen (so nenne ich hiermit den Stil, der in Rückenlage Brustbeinschlag mit Armwedeln unter Schulterhöhe verbindet) ein Drittel des Beckens kreuzt.

Beim Duschen (es gibt keine Duschen am Becken selbst) sehe ich mich im Umkleidegebäude genauer um: Es scheint ernsthaft auf Rollstuhlfahrerinnen ausgelegt, mit eigenem Duschbereich, eigener Toilette, eigener Umkleide.

Fazit: Bei schlechtem Wetter ist die Georgenschwaige durchaus zum Schwimmen geeignet, doch bei auch noch so geringem Badebetrieb kann ich mir ungestörtes Bahnenziehen nicht vorstellen.

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Schöne Vorstellung von Münchener Bädern ! Während meine Frau in München gearbeitet hat, habe ich hauptsächlich an den Wochenenden einige Münchener Bäder erkundet, dabei aber längst nicht alle gesehen. Deswegen vielen Dank !

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.