Mit Delfinen schwimmen

Ich hatte es nicht so mit Pferden. Ich war ein Delfinmädchen und wollte Meeresbiologin werden (und Pilotin, Schauspielerin, Opernsängerin, Hotelmanagerin, Pfarrerin, Bundeskanzlerin und vieles mehr). Ich stellte mir vor, dass Meeresbiologinnen jeden Tag mit Flipper und seinen Freunden schwimmen und dabei bahnbrechende Forschungsergebnisse über das soziale Miteinander der Tümmler herauszufinden.

Mit den Jahren erweiterte sich mein Meeressäugerinteresse bis hin zu Walfischen. Dies manifestierte sich unter anderem im Kauf einer Walgesangs-CD im Greenpeace-Fanshop, die ich aber nie vollständig gehört habe.

Da ich lange Jahre Delfinshows verweigerte, ergab sich allerdings erst in meinem 17. Lebensjahr die Gelegenheit, echte Delfine aus nächster Nähe zu sehen.

Mit einer Gruppe methodistischer Jugendlicher – ich besuchte diese Kirche, weil der Vater einer amerikanischen Schulfreundin dort Pastor war und es sich um eine relativ liberale Kirche handelte – reiste ich eine Woche nach dem Springbreak nach Panama City Beach. Dort ist es heiß, staubig und wenig schön. Aber das war egal, denn ich wusste, am dritten Tag würden wir im Meer mit wilden Delfinen schwimmen gehen.

Ich malte mir aus, wie zwei Delfine jeweils mit ihrer Nase unter eine meiner Fußsohlen schwimmen, mich aus dem Wasser drücken und ich mit ihrer Hilfe über den Meeresspiegel rausche. Mir war klar, das brauchte sicher mehr Zeit als eine 30-minütige Schnorcheltour. Aber ich war mir sicher, die wilden Delfine würden neugierig und zutraulich auf uns zukommen, sich streicheln lassen und allerlei Schabernack mit uns treiben.

Mit einem Boot fuhren wir an eine Stelle nah der Küste. Das Meer war kristallklar, warm und auf dem Grund konnte man den weißen Sand sehen. Wir nahmen unsere Schnorchel und sprangen ins Wasser.

Es gab tatsächlich sehr viele Delfine an dieser Stelle. Gleichzeitig kamen auf jeden Delfin etwa zwei Motorboote mit wesentlich besser vorbereiteten Menschen als wir.

Während wir uns einzig auf den angeblichen Spieltrieb der Delfine und die Anziehung unsere jugendlichen Begeisterung verließen, hatten die anderen Touristen Fisch mitgebracht.

Delfine sind sehr kluge Tiere. Sie haben keine Lust, mit Jugendlichen zu schwimmen und zutrauliche Idioten zu spielen. Sie wollen ihre Ruhe, unter sich bleiben und ab und an einen guten Happen Fisch.

Ich änderte meine Strategie und lauerte den Delfinen in der Nähe der Boote mit Fischbelohnungen auf. So schwammen tatsächlich zwei Tiere ganz dicht an mir vorbei. Bis heute bilde ich mir ein, dabei einen der Delfine kurz berührt zu haben.

Schlussendlich beendete dieses ernüchternde Treffen von zwei Spezien im Wasser mein Meeresforschervorhaben. Auch in Anbetracht meiner Angst davor, tief zu tauchen, sicher eine kluge Entscheidung.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hah, auch so jemand, der frühkindlich von Flipper geprägt worden ist. Schöne Geschichte, auch wenn es natürlich ein bisschen schade ist, dass die Meeresforscher-Karriere-Pläne ein so frühes Ende fanden.

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